25. Juli 2023 – 1. Etappe von Idar-Oberstein zum Camp „Wolfsheulen“
Seit zwei Wochen sind wir wieder zurück von unserer Radreise von Rhodos ins Saarland (siehe Blog ). Sabine hat noch frei bis Anfang September. Wir suchen nach Abenteuern in der Nähe. In erreichbarer Entfernung gibt es den Saar-Hunsrück-Steig als Premium-Fernwanderweg. Er führt über 415 traumhafte Kilometer von Perl/Mosel über Idar-Oberstein nach Boppard. Sabine hat 2021 schon einige Etappen erwandert. Wir wählen uns den Teil, der durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald führt. Es gibt auf den ersten drei Etappen keine Unterkünfte. Viele Wanderer lassen sich von Hotelshuttles abholen und übernachten in weit entfernten Hotels. Wir wollen nachhaltig wandern und nicht zwischendrin ein Auto benutzen. Wir reservieren uns drei Trekkingcamps bei dem Touristikverband. Nach Überweisung einer kleinen Gebühr bekommen wir die Koordinaten zugeschickt. Die Trekkingplätze liegen außerhalb von Ortschaften, versteckt im Wald. Sie bestehen aus 2 Plattformen mit Sitzgelegenheit und einer Komposttoilette. Es gibt kein Wasser und keine Verpflegungsmöglichkeit. Wir müssen Wasser und Essen für drei Tage mitschleppen. Mit schweren Rucksäcken fahren wir mit Bus und Bahn nach Idar-Oberstein. Trotz der eher miesen Wettervorhersage. Der Nieselregen hört oberhalb von Idar-Oberstein auf. Die Regenjacken können in die Rucksäcke. Heute wollen wir uns in einem italienischen Restaurant in Herborn noch eine Pizza gönnen. An den nächsten Tagen gibt es nur noch Outdoornahrung aus Tüten. Nach ca. 13 km sind wir in Herborn. Zu früh. Wir müssen noch 1,5 Stunden warten bis das Restaurant öffnet. Egal. Andernfalls geht unsere Essensplanung nicht auf. Bis zum Camp sind es noch 10 km. Wir kommen spät an. Der Zeltaufbau dauert. Statt mit Heringen müssen wir unser Zelt mit Schnüren auf der Holzplattform festbinden. Wir genießen den Abend ganz allein im Wald. Morgens hören wir die Wölfe im benachbarten Wildpark heulen. Nicht umsonst heißt dieses Camp „Wolfsheulen“.










Fast im Dunkeln finden wir…





26. Juli 2023 – 2. Etappe vom Camp „Wolfsheulen“ zum Camp „Drachenlager“
Unser nächstes Camp „Drachenlager“ befindet sich in der Nähe des Erbeskopf auf einer Höhe von 700 m. Nach Überprüfung der angegebenen Streckenlänge auf der Homepage des Saar-Hunsrück-Steigs erkennen wir einen Fehler. Die Entfernung der beiden Camps ist nicht 22 km lang, sondern fast 40 km, wenn man den Originalweg über den Steig geht. Wir planen schon zuhause um und nehmen eine kürzere Route. Am Ende sind es doch 27 km. In Allensbach gibt es noch eine Bäckerei. Gestärkt mit Kuchen und Cappuccino machen wir uns auf den Weg zum 816 m hohen Erbeskopf, der höchsten Erhebung von Rheinland-Pfalz. Wir sind jetzt mitten im Nationalpark. Riesige Nadelholzwälder sind vom Borkenkäfer befallen. Abgestorbene Bäume werden einfach belassen. Unter dem Motto „Natur Natur sein lassen“ erfolgen nur wenige Eingriffe in den Nationalpark. Der Wald regeneriert sich über Jahre selbst. Es entstehen neue Lichtungen mit Sträuchern und kleinen Ablegern von resistenten Laubbäumen. Nur bis dahin sieht es etwas apokalyptisch aus. Von der beeindruckenden „Windklangskulptur“ auf dem Gipfel können wir einen imposanten Weitblick bis in die Eifel genießen. Nun beginnt der Abstieg zum „Drachenlager“ unterhalb des Gipfels. In der Nähe ist die „Siegfried Quelle“ (Nibelungensage). Wir versorgen uns mit Wasser. Im Camp gibt es dann Abendessen aus Tüten.


















27. Juli 2023 – 3. Etappe vom Camp „Drachenlager“ zum Camp „Keltenlager“
In der Nacht fängt es an zu regnen. Wir bauen unser Innenzelt ab und haben Platz zum Frühstücken. Müsli, Kaffee, Brötchen, Marmelade, Käse… alles dabei. Das Außenzelt ist patschnass. Dann geht es im Regen weiter bis zum höchsten Berg des Saarlandes, dem 695 m hohen Dollberg. Klaus hat Probleme mit seinem Knie. Irgendwie hat er sich das schon zuhause beim Packen verletzt. Und nun jeden Tag weit über 20 km mit schwerem Rucksack geben ihm den Rest. Durch das Trauntal geht es bergauf auf den Kamm der Dollberge. Es regnet den ganzen Tag. Wir sind nass, unser Zelt ist nass. Es ist ungemütlich. Eine Übernachtung in einer Unterkunft in Otzenhausen wäre schön. Wir haben kein Netz. Anrufen ist nicht möglich. In der Nähe von Neuhütten gibt es dann endlich Empfang. Doch mehrere Telefonate sind ohne Erfolg. Alle Unterkünfte sind belegt. So bleibt uns dann doch nur das dritte Trekkingcamp „Keltenlager“. Beim Zeltaufbau nieselt es glücklicherweise nur leicht. Wir kochen und essen geschützt durch das Außenzelt. Das Innenzelt hängen wir später rein. Doch was ist das? Unser nagelneues, leichtes Trekkingzelt ist nicht dicht. An allen vier Ecken tropft Wasser an den Nähten ins Innere. Es besteht seine Generalprobe nicht. Wir müssen es wieder zurückschicken. Heute helfen zwei Behälter unseres Kochers zum Auffangen des Wassers. In der Nacht regnet und prasselt es ohne Unterbrechung.







Durch den Riedbruch,…



Durch ein letztes Stück Urwald zu…




28. Juli 2023 – 4. Etappe vom Camp „Keltenlager“ nach Hause
Unsere 4. Etappe würde bis nach Reinsfeld gehen. Doch es regnet immer noch und soll auch heute nicht mehr aufhören. Klaus Knie ist dick und schmerzt bei jedem Schritt. Wir brechen unsere Tour hier ab. Irgendwann steigen wir bei schönerem Wetter und ohne Verletzung wieder hier ein. Mit Schmerzen klettert Klaus über den keltischen Ringwall. Das vorgeschichtliche Kulturdenkmal ist eine keltische Befestigungsanlage mit einer riesigen Wehrmauer aus losen Steinen. Auf dem Ringwall hätten wir bei schönem Wetter weite Aussichten in die Umgebung. Doch heute ist alles im Nebel. In einer Schutzhütte genehmigen wir uns zum Abschied noch ein üppiges Frühstück. Wir müssen ja keine Vorräte mehr weiterschleppen. Der Abstieg bis Otzenhausen fällt Klaus schwer. Am Keltenzentrum ist gleich eine Bushaltestelle. Nach 10 Minuten Wartezeit bringt uns der Bus nach Türkismühle zur Bahn. Wir fahren heim. Schade, aber auch gut so. Die nächsten drei Etappen sind bei Sonnenschein sicher viel schöner. Unsere Wanderung haben wir trotz Widrigkeiten genossen. Dreieinhalb Tage Naturerlebnisse mitten im Wald im Einklang mit Natur- und Umweltschutz sowie Nachhaltigkeit sind auf jeden Fall eine Fortsetzung wert.









4 Antworten zu „Abenteuer vor der Haustür: Saar Hunsrück Steig“
Hallo Ihr beiden Radlewr/Wanderer, ihr seid immer wieder aktiv. Es bereitet uns Freude eure Touren zu begleiten (am Computer). Der angesprochene Wolfspark, ist das der Park von Werner Freund, in Merzig? Viele Grüße Eckhard und Martina aus Leipzig
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Hallo Eckhard, hallo Martina,
sehr schön, wir freuen uns, dass ihr uns folgt. Nein, der Wolfspark ist zwar nicht weit vom Saar-Hunsrück-Steig entfernt, aber trotzdem an ganz anderer Stelle. Der Wildpark neben der Wildenburg ist mitten im Hunsrück, ca. 15 km nördlich von Idar-Oberstein. Viel Spaß bei unseren weiteren Touren.
Viele Grüße Klaus und Sabine
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Ihr Lieben,
schön, dass ihr dieses Abenteuer vor unserer Haustür entdeckt habt.
Ich bin den kompletten Saar-Hunsrück-Steig gelaufen von Perl bis Boppard; ein herrliches Stück Heimat.
Schade, dass das Wetter bei euch nicht mitgespielt hat. Bei Regen ist es ungemütlich und teilweise auch gefährlich glitschig.
Ich hoffe, es geht deinem Knie wieder besser, Klaus, und ihr könnt bald das nächste Abenteuer starten.
Bis September sind es ja noch ein paar Tage 😊
Liebe Grüße
Petra
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Liebe Petra,
ja, wirklich toll, welche schönen Landschaften wir in unmittelbarer Nähe haben. Respekt für deine/eure Leistung für den kompletten Steig.
Danke. Mit Orthopäde und Physiotherapeut kann ich wenigstens wieder schmerzfrei gehen. Es geht aufwärts👍, …und in der nächsten Woche zusammen mit Sarah in die Dolomiten.😊
Liebe Grüße
Klaus
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