Hochzeitstag

15. September 2024

Die erste Halbinsel kürzen wir heute ab. Über einen Pass. Hunderte Rennradfahrer sind unterwegs. Auf dem Ebenen. Am Berg nur wenige. Über den Berg geht es nach Portugal. Zum Grenzfluss Rio Miño. Auf der Brücke machen wir Flaggenwechsel. Dann fahren wir einen schönen Flussradweg. Die kleinen Orte sind gepflegt. Schöne Plätze mit weißen Häusern und Kirchen. Beim Obsthändler an der Straße kaufen wir Obst fürs Frühstück. Er sieht unsere Karte und fragt, ob es in Marokko schön ist. Na klar! Der Radweg endet. Nun testen wir die portugiesische Landstraße. Es gibt auch hier oft Seitenstreifen. Doch das rücksichtsvolle Fahren der spanischen Autofahrer endet hier. Die Portugiesen rasen, fahren viel enger an uns vorbei und geben uns nicht immer die Vorfahrt. Wie zuhause eben. Also immer defensiv fahren und aufpassen.

Es ist heiß. Über 30 Grad in der Sonne. Zum Campingplatz wollen wir den direkten Weg fahren. Doch wir kehren schnell wieder um auf die Hauptstraße. Alle Nebenstraßen sind gepflastert, mit unebenem schlecht verlegten Kopfsteinpflaster. Die letzen zwei Kilometer haben wir es dann doch noch. Der Campingplatz liegt an einem langen Strand mit Dünen in einem Naturpark. Drei weitere Radreisende sind hier. Eine junge Frau aus Freiburg, die auch von zuhause bis hierher gefahren ist. Und ein deutsch-französisches Paar mit einem Katzenbaby. Sie haben es am Straßenrand gefunden und adoptiert. Es fährt jetzt mit.

Wir konnten mal wieder nichts zum Abendessen einkaufen, heute ist Sonntag. Die Läden sind nur vormittags geöffnet. Heute ist unser Hochzeitstag. Wir möchten essen gehen. Auf Google-Maps gibt es ein Restaurant in der Nähe. Fragt sich nur: wo? Wir haben keins gesehen. Auf dem Platz gibt es eine Snackbar. Ein nettes altes Ehepaar versorgt die wenigen Gäste. Wir fragen, ob wir was essen können. Die alte Dame zeigt uns ihren Kühlschrank. Ob das für uns in Ordnung ist, will sie wissen. Wir nicken und lassen uns überraschen, was sie daraus macht. Später erfahren wir, dass sie uns ein portugiesisches Standardgericht gekocht hat, das es so in vielen Restaurants gibt – Francheshina. Dünne Schnitzel, Pommes, Reis und Spiegelei sieht für uns eher nach Resteessen aus. Aber ein originelles Essen zum Hochzeitstag. Zu einem besonderen Preis. Inclusive 2 Bier, 2 Wein, 2 Eis und 2 Kaffee zahlen wir gerade mal 22 Euro. Der Campingplatz selbst wäre beinahe der preisgünstigste unserer Tour gewesen. Doch heute ist noch Hochsaison. So zahlen wir ein wenig mehr als der Preis von 9,50 Euro morgen in der Nachsaison. Ein Hochzeitstag ohne Luxus.

Kopfsteinpflaster

16. September 2024

Wir haben die Wahl: Hauptstraße mit viel Verkehr oder Kopfsteinpflaster auf Nebenstraßen. Wir wollen bis Porto. Die Stadtdurchfahrt bis zum gebuchten Apartment wird wahrscheinlich auch nicht einfach. Porto liegt auf verschiedenen steilen Hügeln. Deshalb geben wir erst mal  Gas auf der Landstraße. LKWs düsen an uns vorbei. Es ist kein angenehmes Rad fahren. Dann nimmt uns eine Rauchwolke auch noch die Luft zum Atmen. Es hat gebrannt. Im Eukalyptuswald. Die öligen trockenen Bäume brennen wie Zunder. Der starke Ostwind und die Hitze von 35 Grad fachen das Feuer noch an. Und die Rauchwolke zieht in Richtung Meer. Später ist wieder blauer Himmel. Dafür nimmt der Straßenverkehr zu.

Wir biegen in Badeorte ab und fahren an langen Strandpromenaden entlang. Dann wieder zurück zur N 13. Ungefähr 25 km vor Porto entscheiden wir uns dann, dem EuroVelo 1 zu folgen. Der muss doch auch fahrbar sein. Ist er nicht. Er führt ewig über schmale Holzstege, auf denen die Jakobspilger des Camino portugues wandern. In der Mitte gespickt von herausstehenden Schrauben. Dann doch Kopfsteinpflaster. Bei jedem Abzweig hoffen wir auf Asphalt. Keine Chance. Bis in die Stadt Porto geht das so. Alles tut uns weg. Hoffentlich sind nicht alle Schrauben an den Rädern locker. In einer Vorstadt von Porto fahren wir gezielt und direkt zum Decathlon. Endlich Gaskartuschen kaufen.

Dann noch ungefähr 15 km zum Apartment in der Innenstadt . Auf und ab, auch hier Kopfsteinpflaster, Stop and Go, Rushhour…wir sind entnervt. Auch hier Rauchwolken. Wir sehen in der Nähe der Stadt sogar Feuer. Was soll das werden? Im Apartment werden wir nett begrüßt. Obwohl wir zu spät sind. Heute kommen alle Gäste verspätet, es gibt wegen der Brände viele Straßensperren, meint die nette Dame. Wir schieben die Räder in die Wohnung und gehen einkaufen. Salat, Gemüse und Fisch. Wir kochen uns ein gesundes Abendessen. Was morgen wird, werden wir sehen.

Im Rauch

17. September 2024

Porto ist im Nebel, nein im Rauch. Die Sonne ist verschwunden. Der Himmel ist rötlich grau statt blau. Es stinkt verbrannt. Viele Menschen tragen Masken. Trotzdem ist viel los in der historischen Altstadt Portos. Sie ist UNESCO Weltkulturerbe. Wegen dem Ensemble aus Jugendstilgebäuden mit bunten Fliesen, trotz der vielen unbewohnten zerfallenen Häuser. Und wegen der pittoresken Lage am Rio Duoro, mit den sechs 60 m hohen Brücken, die zwei Städte miteinander verbinden. Darunter die Ponte Dom Luis I. Sie wurde 1886 von einem Schüler Gustave Eiffels als Stahlbrücke im Stil des Eiffelturms gebaut. Die 385 m können Fußgänger auf der unteren Fahrbahn überqueren oder auf der 60 m hohen neben den Schienen der Metro. Der Blick auf die beiden Städte ist beeindruckend.

Leider trübt heute der dichte Rauch die Sicht. Schon morgens vom Torre dos Clérigos konnten wir den Rundumblick nicht so richtig genießen. Es ist ein beklemmendes Gefühl, in einer Stadt zu sein, neben der es brennt. Und auch nicht zu wissen, wie wir weiterkommen. Weiter südlich sind riesige Gebiete mit schweren Feuern. Nicht direkt an der Küste, doch wir wären mindestens zwei Tage im Rauch und Ruß. Das hat uns heute schon gereicht. Wir überlegen uns Optionen, wie wir nach Süden kommen. Die portugiesische Regionalbahn nimmt keine Räder mit. Nur die Schnellzüge. Mit beschränkten Plätzen. Die zweite Option ist ein Mietwagen, den wir weiter südlich nochmal abgeben können. Wir buchen einen im Internet und holen ihn am Abend ab. Jetzt sind wir schon hunderte Kilometer Umwege gefahren, die wir zuhause nicht geplant hatten, dann können wir auch 150 km Auto fahren verkraften. Beim Autovermieter bekommen wir ein Upgrade. Statt Kombi mit Benzin einen voll elektrischen Mercedes Van. Wenigstens umweltfreundlich können wir fahren. Doch die Autoabgase spielen bei den riesigen CO2 Emissionen der Waldbrände keine große Rolle mehr.

Nochmal als Übersicht: Wir steuern 5 Halbinseln, 5 Cabos, an. 5 Tage statt einem von Santiago, übrigens auf unserem 40. Kartenausschnitt.
Sonntagmorgen: Rennradbetrieb!
… und die Pilger des Camino portugues begegnen uns.
Abfahrt von einem Pass in die Wälder eines breiten Flusstals.
Ist Sabine schon in Marokko? Nein in einer riesigen Baumschule!
Der Flaggenwechsel wird zelebriert…
Jetzt sagt man Bom Dia.
Ein vorbildlicher Flussradweg empfängt uns in Portugal.
Frischer geht nicht.
Durch enge saubere Dörfer.
Da müssen wir drüber…
… auf der Fahrspur. Der enge Gehweg wird von den Pilgern benötigt.
Unser Etappenziel im Naturpark.
In der Abendsonne…
Hochzeitstag!
… mit interessantem Menü. Typisch und fast umsonst!
Beim Frühstück…
… sind wir nicht alleine.
Wir sehen und durchfahren die erste Rauchwolke.
Unser Lieblingsstraßenbelag…
… wir vergleichen die Strecke mit der Mur bei Roubaix.
So empfängt uns Porto. Gespenstisch!
Unser sicheres Apartment in Porto, ebenerdig und ruhig.
Sightseeingtour: Typische Stadthäuser…
… der historische Bahnhof, …
… die historische Straßenbahn vor Igreja e Torre dos Clérigos
… in der Kirche überrascht uns ein Organist,…
… vom Turm haben wir nur eingeschränkte Brandwolkensicht.
Steile enge Gassen.
Am Ufer des Duoro
… aus mehreren Perspektiven.
Der Rundblick wird von einem der vielen guten Straßenmusikern begleitet.
Blick von der Ponte Dom Luis I.
Die Seilbahn schwebt über den Portwein-Gütern, hier Sandeman.
Gute Miene…
… zu eingeschränkter Sicht…
… in Endzeitstimmung…
… roter Glutball (in der Mittagssonne)
Shoppingmeile.