20. September 2024
Hinter Nazaré gibt es keine flachen Geradeaus-Straßen mehr. Morgens geht es gleich ca. 17% hoch. Da hilft nur Schieben. Oben entschädigen Aussicht und eine kleine Höhenstraße. Weiße Windmühlen sind zu Ferienhäusern ausgebaut. Überall stehen nagelneue moderne Villen. Kaum eine ist bewohnt. Überall hängen Schilder mit: Se vende, zu verkaufen. Komische Methode. Da bauen Investoren komplette Einfamilienhäuser und suchen nach Fertigstellung nach Käufern. Überall in Lagen mit Aussicht oder Meernähe. Die Dörfer abseits sind ursprünglich und einfach. Die Menschen leben von der Landwirtschaft. Eingeschossige winzige Häuser stehen am Straßenrand. In einem Dorf werden wir vom Regen überrascht. Wir warten an einer Bushaltestelle den heftigsten Schutt ab. Es hört nicht auf. Wir ziehen Regensachen an und fahren weiter.
Immer wieder steil runter und gefühlt noch steiler bergauf. Eukalyptusanbau und Landwirtschaft wechseln sich ab. Der Regen lässt nach. Wir kommen in Strandnähe. Riesige Luxusresorts zwischen Golfplätzen. Wir machen Pause und checken die Preise für die Resorts. 300 bis 400 Euro für eine Nacht ohne Frühstück ist uns dann doch zuviel. Dann lieber campen. Außerdem spielen wir nicht Golf. In der nächsten Stadt Peniche steht Surfen im Mittelpunkt. Es gibt Surfschulen, Surfshops, Surfhotels…und jede Menge junge Leute, die ihre Surfbretter unterm Arm tragen. Auf dem Meer sind nur wenige. Die Wellen sind auch heute niedrig.
Ein perfekt Deutsch sprechender portugiesischer Radfahrer spricht uns an. Unsere Tour findet er prima. Er wünscht sich in Portugal mehr Förderung des Radverkehrs. Es gibt alles mögliche für Golfer, für Surfer…doch wenig Beachtung der Radfahrer. Er erklärt uns: Rad fahren in Portugal nur die Armen. Deshalb wird Radfahrern auf der Straße so wenig Raum gegeben. Auch als Camper mit Zelt ist es schwierig. Es gibt nur wenige Campingplätze. Die Leute mit riesigen Wohnmobilen stellen sich einfach irgendwo hin. Das möchten wir nicht. In Peniche soll es einen Platz geben. Auf der Halbinsel, an den Klippen. Wir finden ihn. Und wir erklären ihn zu dem hässlichsten Platz, auf dem wir je übernachtet haben. Eine Sand- und Betonwüste hinter Mauern mit Glasscherben. Sicher können wir uns fühlen, wohl aber nicht. Genauso wie ein Radlerpaar aus Kanada. Sie informieren sich bei uns über Streckenplanung und Ausrüstung. Es ist ihre erste Bike-Packing-Tour. Da haben sie sich ein schwieriges Land zum Einstieg ausgesucht.
Was für ein Radtag
21. September 2024
Es kann auf einer Tour über mehrere tausend Kilometer nicht jeden Tag tolle Strecken geben. Das ist uns schon klar. Aber heute ist die Strecke ohne landschaftliche Höhepunkte, es ist sehr viel Verkehr, die Autofahrer fahren oft eng und rücksichtslos an uns vorbei und wir fahren unendlich viele Höhenmeter. Zermürbend. Dabei fängt es am Morgen noch schön an. Die Küste vor unserem hässlichsten Campingplatz ist sehr schön. Wir halten öfter an und fotografieren die Felsformationen der Steilküste. Das war es dann. Fast 80 km angestrengtes Fahren mit über 1.000 Höhenmetern bis zum Ziel. Immer möglichst fast im Straßengraben. Die Autofahrer lassen uns keinen Platz. Wir sehnen uns nach den rücksichtsvollen Spaniern.
An den Aufstiegen schwitzen wir. Von der Anstrengung, der Hitze und wegen der Autofahrer. Und noch ein steiler Anstieg, und noch einer. Es hört nicht auf. Den letzten Anstieg von einem Surfstrand, der als Welt-Surf-Resort ausgezeichnet ist, bis in die Surferstadt Ericeira schiebt Sabine hinauf. Der Holzsteg, der als Rad- und Fußweg angelegt ist, ist direkt so steil, dass sie auf das schwere Rad nicht aufsteigen kann. Außerdem hat sie keine Lust mehr. Der wievielte Anstieg ist das? Der 20. bestimmt. Oben angekommen ist gleich der Campingplatz. Heute gar nicht mal so hässlich. Unter Pinien stellen wir unser Zelt auf. Und atmen erst einmal durch. Zum Einkaufen gehen wir zu Fuß. Heute nur nicht mehr Rad fahren.
Nach Lissabon
22. September 2024
Stundenlang planen wir am Abend unsere Strecke nach und mögliche Unterkunft in Lissabon, oder portugiesisch Lisboa. Für die Strecke gibt es zwei Alternativen. Näher am Meer mit vielen Höhenmetern. Oder im Land flacher über die Hauptstraße. Wo mehr Verkehr ist, wissen wir nicht. Wir biegen nicht ab Richtung Küste. Der Verkehr auf der Hauptstraße ist etwas schwächer als gestern. Dann kommen die Vororte von Lissabon. Heute ist auf unser Programm Komoot Verlass. Wir fahren kreuz und quer durch die Vororte. Aber nie mit zu viel Verkehr. Plötzlich kommt es uns vor, als wären wir schon in Afrika. Aber nicht in Marokko. Wir sind in den Banlieues von Lissabon. Wir fahren durch Häuserschluchten mit riesigen hässlichen Betonburgen. Hier wohnen scheinbar nur Schwarze. Abgeschoben und isoliert in eigenen Stadtvierteln. Dann kommen nur noch Schnellstraßen und Autobahnen. Die Innenstadt ist noch weit weg. Und für uns gibt es tatsächlich einen Radweg. Er bringt uns direkt zu unserem Campingplatz. Es ist ein gigantisch großer Platz in einem Wald. Eine passende Unterkunft in der City haben wir nicht gefunden. Extrem teuer und extrem schwierig mit dem Rad zu erreichen. Lissabon liegt auf mehreren Hügeln. Treppen, Aufzüge und Schrägseilbahnen verbinden die Stadtteile. Nichts für Fahrräder. Wir mieten uns eine Hütte mit Küche und Bad auf dem Platz. Und schwimmen vor dem Essen im Restaurant noch ein paar Bahnen im Pool. Mit dem Bus können wir morgen in das historische Lisboa.
























