26. Oktober 2024
Es ist kalt heute morgen. Wir ziehen Windjacken und Handschuhe an. Bis Demnate führt unsere Strecke über einige Berge. Dann geht es meist bergab. Wir kommen an einer Großbaustelle vorbei. Eine Autobahn? Wo soll die hinführen? Dann sehen wir die Staumauer. Ein neuer Staudamm wird hier gebaut. Hoffentlich bekommen die Bauern dahinter später noch genügend Wasser für ihre Oliven- und Granatapfelbäume. Wird das grüne Meer aus Bäumen absterben wie so viele Bäume, die wir unterwegs sehen? Wir hoffen nicht. In einem kleinen Ort versorgen wir uns: Brot, Granatapfel und Bankautomat der Poste marocain.
Heute werden wir in einer Kasbah übernachten.Ein burgähnliches Gebäude aus Lehm mit Türmen und großzügigen Räumen. Sie liegt auf einem Berg mit 360 Grad-Aussicht fast bis Marrakesch und in den Hohen Atlas. Wir sind begeistert von dem tollen Haus. Das Ambiente ist traditionell marokkanisch mit liebevoll ausgewählten Möbeln und Accessoires. Wir haben ein riesengroßes Zimmer mit einem riesigen Bad. Es gibt einen Hammam im Garten. Heute bei den kalten Temperaturen gerade richtig. Der junge Mann von der Rezeption weist uns ein. Es ist ein winziges Lehmhäuschen mit einer kleinen Holztür. Innen brodelt Wasser in einem Becken. Unter dem Becken ist ein Holzfeuer. Es wird von außen befeuert. Es gibt zwei kleine Bänke. Mehr als zwei Personen passen nicht rein. Wir sollen uns ein Gemisch aus Honig und Seife in die Haut einmassieren und nach 10 Minuten im Dampfbad mit einer Schöpfkelle abduschen. Natürlich nicht mit dem kochenden Wasser, sondern mit kaltem mischen. Außen gibt es noch eine kalte Dusche. Nach drei Gängen sind wir tiefengereinigt und -entspannt. Marokko zum Wohlfühlen. Nach zweieinhalb Monaten Zelten haben wir uns das verdient.
Wir umfahren Marrakesch
27. Oktober 2024
Fünf Mal waren wir schon in Marrakesch. In diesem Jahr wollen wir es meiden. Mit dem Rad in diese hektische Stadt ist lebensgefährlich. Wir wählen eine Route drumherum. Kürzer durch die unendliche Ebene, früher und länger durch die Berge. Dabei finden wir in dem nicht touristischen Umland eine einzige Unterkunft. Zuerst, wie soll es anders sein, bergauf bis Demnate. Dort kaufen wir kurz ein. Dann ist plötzlich höllischer Verkehr. Mopeds, Fahrräder, Taxis, Kutschen, Ziehwagen, LKWs… alles fährt durcheinander auf der Straße. Es ist Sonntag und Souk. Ein Markt mit Ständen, Zelten… und allem, was der Marokkaner so feilbietet und kaufen will. Dann hätten wir auch durch Marrakesch fahren können. Mehr Verkehr ist dort auch nicht. Hier ist es wenigstens nur knapp ein Kilometer weit.
Dann ist wieder alles normal. Fast. Klaus‘ Schaltzug reißt ab. Er muss reparieren. Einen Ersatz haben wir im Gepäck. Wir suchen einen schattigen Platz unter einem Olivenbaum. Mopedfahrer bieten ihre Hilfe an. Es klappt. Wir können weiter. Doch beim Schieben auf die Straße müssen wir aufpassen, dass wir uns keinen Platten holen. Überall ist zerbrochenes Glas verstreut. Überall an allen Straßen. Zuerst hat uns das verwundert. Es stammt definitiv von Bierflaschen. Wie war das noch gleich? Moslems trinken keinen Alkohol? Der Besitzer des Gitarrenhotels vor zwei Wochen hat uns aufgeklärt. Auch Marokkaner trinken Alkohol. Es gibt Bier und mehr im Supermarkt (wo auch immer diese Spezialsupermärkte sein mögen). Aber müssen sie die leeren Flaschen auf die Straße werfen? Gut, dass wir unsere unplattbaren Schwalbe-Reifen haben.
Wir kommen in die Ebene vor Marrakesch. Links von uns sind die Berge des Hohen Atlas. Zu unserer Unterkunft biegen wir zuerst falsch ab. In ein Privatgrundstück. Der Besitzer versteht nur arabisch und weiß nicht, was wir suchen. Zurück auf der Straße holt uns ein Mopedfahrer ab und zeigt uns den Weg. Er gehört zu der kleinen Kasbah. Er kocht uns ein üppiges Abendessen und serviert es in einem Salon mit Kerzenlicht.






















2 Antworten zu „Kasbah mit Aussicht“
Wie scheen – nach so einer langen Reise mit einem ergreifendes Zusammentreffen mit Abdou und seiner Familie am Ziel. Perfekt! Liebe Grüße von mir und Klaus
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😁👍👏
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