Hari Hari

28. Februar 2025

 Hari Hari ist heute unser Ziel. Es heißt aus der Māori Sprache übersetzt soviel wie „Freude haben“. Es liegt zwischen großen Flüssen am Fuß der Alpen. Wir fahren den State Highway 6. Mit wenig Verkehr. Gleich hinter Franz Josef ist ein großer See. Die gletscherbedeckten Berge spiegeln sich darin. Wir sehen sie gerade noch, kurz danach sind sie in Wolken. Wir treffen einen netten Pfälzer, einen Nachbarn aus Speyer. Als Radfahrer und Neuseeland-Vielreisender versorgt er uns mit Tipps und Wetter- und Windprognosen für die nächsten Tage.

Unsere Strecke ist heute eher flach. Nur ein längerer steiler Anstieg wartet am Ende auf uns. In Hari Hari verläuft der Highway schnurgerade durch den Ort. Es ist eine kleine ländliche Siedlung mit 270 Einwohnern. Dafür Hunderten Kühen. Es gibt nur die Hauptstraße. Links und rechts reihen sich kleine Holzhäuser hinter Zäunen aneinander. Es gibt eine Primary und Secondary School mit 126 Schülern von 1 bis 15 Jahren, eine Tankstelle, eine Autowerkstatt, einen kleinen Supermarkt mit Café und unser gebuchtes Hotel.

Das Hari Hari Hotel ist schwer in die Jahre gekommen und wirkt etwas unaufgeräumt. Unser Zimmer ist okay. Früher war das Hotel bestimmt einmal ganz schön. Es gibt Zimmer, einen Zeltplatz, eine Bar, einen Bottle Store und ein Restaurant. Schon am Nachmittag ist in der Bar was los. Die Farmer treffen sich hier nach getaner Arbeit. In kurzen Hosen und Gummistiefeln oder barfuß. Touristen verirren sich sicher nur selten hierher. 42 der 44 Zimmern bleiben leer. Nach zwei Tagen in Touristenzentren ist es für uns ein interessanter Kontrast. The real life of New Zealand spielt sich hier ab.

 

Bitte ohne Sandflies

01. März 2025

Sandflies gibt es hier überall an der Westküste. Wenn wir zu lange anhalten, werden wir gepikst. Wir wählen unsere Übernachtungen so aus, dass wir möglichst wenig mit den Biestern in Kontakt kommen. Auf den größeren Campingplätzen gibt es fast keine. Noch sicherer sind wir, wenn wir nicht im Zelt, sondern in Cabins, kleinen Zimmern, übernachten. Klingt etwas hysterisch, aber die Stiche jucken höllisch. Und man tagelang Spaß damit. Wie das die Leute aushalten, die auf den sogenannten DOC Plätzen (Department of Conservation) übernachten, ist uns schleierhaft. Am Morgen fahren wir an einem vorbei. Er liegt idyllisch an einem See, hat Toiletten und Waschbecken. Baden kann man im See. Die Plätze sind sehr preiswert. Also eigentlich alles perfekt, aber… Nach kurzer Zeit werden wir schon von Sandflies überfallen. Einige Camper sitzen draußen und wir beobachten, wie sie sich die Beine kratzen. Da hört bei uns der Campingspaß auf. Vielleicht sind wir auch einfach zu empfindlich. Wir haben für heute Abend wieder eine Cabin gebucht. Zelten werden wir wieder, wenn es keine Sandflies mehr gibt.

Wir stoppen in Ross. Hier wurde im 19. Jahrhundert nach Gold geschürft. Es gab hier einen regelrechten Goldrausch. Der größte Nugget wurde 1909 gefunden und wog 3,1 kg. Seit 1988 gab es Abbau im Tagebau, heute als See verfüllt. Ein historisches Dorf bietet einen Einblick in das Leben der Minenarbeiter. Übernachten wollen wir in Hokitika. Trotz vieler kleiner Anstiege kommen wir heute schnell voran.

Kurz vor Hokitika müssen wir einem Farmer aber noch eine gelbe Zitrone für den unfreundlichsten Neuseeländer verleihen. Er überholt uns mit seinem Geländewagen ganz eng und in hoher Geschwindigkeit. Sabine erschrickt, ruft ihm hinterher und zeigt ihm einen Daumen nach unten. 50 m weiter parkt er seinen Wagen am Straßenrand, steigt aus und erwartet uns mit verschränkten Armen: „What’s your problem?“. Sabine: „You are too fast and too close to us.“ Er antwortet uns mit einem Redeschwall in seinem neuseeländischen Englisch. Doch eins verstehen wir: es ist sein Land und er mag keine Radfahrer. Und wenn sie hier auf seiner Straße fahren , dann gehören sie mit ihren Rädern hinter die Straßenbegrenzung. In den Seitenstreifen. Leider ist der an dieser Stelle nur 5 cm breit. Von einem Abstand von 1,5 m will er nichts wissen. Und die Schilder mit Radfahrern und „Share the road“ wird er auch in Zukunft ignorieren. Denn es ist ja sein Country. Glücklicherweise sind die meisten Neuseeländer nicht so. In Hokitika am Strand und vorm Supermarkt schauen einige interessiert nach unseren Fähnchen und wünschen uns gute Fahrt.

 

Radtag 29 (Tag 47)
Nach Norden!
Stopp am Lake Mapourika
Franz Josef Glacier zeigt sich noch einmal, nein zweimal, doppelt!!
Weitere Spiegelung am Lake Wahapo
Am Whataroa River verstecken sich bereits die hohen Gipfel.
Hier ging’s früher zu einer Goldmine.
Das ewig breite Flussdelta des Whataroa River.
Der flugunfähige Weka. Wir verhindern seine beabsichtigte Highway-Querung.
Hari Hari. Hier geht der Punk ab!!
Mitten drin unser modernes Hotel aus den Fünfzigern.
Zwei Touristen treffen die Farmer.
Unser Überraschungs-Dinner: Loaded Fries
Radtag 30 (Tag 48)
Good Morning Cows!
Goldgräberstadt Ross. Das Auto mit aktueller Zulassung kein Schmuck.
Hier sind die Nuggets gegen Dollars getauscht worden.
Hier wurde für den nächsten großen Fund gebetet.
Eine 2 km lange Baustelle. Schlammig und holprig.
Der Hokitika River mündet in die Tasman Sea
Nettes Touristenzentrum: Hokitika
!!!