20. März 2025
Wir sind früh am Ziel. Und die einzigen Gäste bisher. Der Platz liegt aber auch mitten im Nichts. Es gibt nur dichten Urwald und in der Ferne die Vulkane. Keinen Mobilfunk und kein funktionierendes WLAN. Auch mal gut. In der Nähe ist ein Wanderweg zu historischen Stätten, an denen Weiße, Pākehā, gegen die Māori gekämpft haben. Die Māori waren den Soldaten der britischen Krone unterlegen, wurden getötet oder mussten fliehen. Der Kampfschauplatz ist heute ein Māori-Heiligtum, ein Tapu. Durch dichten Urwald gelangen wir dort hin. Über eine kleine Brücke überqueren wir den Fluss Whanganui. Er entspringt am Tongariro und ist hier nur ein kleiner Bach. Auch er ist ein Māori-Heiligtum und noch mehr. Die Māori haben vor Gericht erreicht, dass der Fluss als juristische Person oder als Lebewesen behandelt wird. Er hat demnach Rechte vor Gericht. Ein wirksames Instrument für den Umweltschutz .
Nach dem Spaziergang packen wir unsere Rucksäcke für die morgige Tour und kochen in der Gemeinschaftsküche unser Abendessen. Mittlerweile ist der Campingplatz voll. Ob alle hier morgen zum Crossing wollen? Es ist eine, der meist begangenen Touren Neuseelands und wird oft in den Top 10 der schönsten Wanderwege weltweit aufgeführt. Mal sehen. Wir freuen uns jedenfalls darauf.
Tongariro Alpine Crossing
21. März 2025
Puuuh, ist das kalt. In unserer Cabin ist es eiskalt und draußen noch kälter. Ungefähr drei Grad. Wir ziehen unsere dicken Jacken, Mützen und Handschuhe an. Und dann ist auch noch das gestern schon vorbereitete Müsli im Kühlschrank gefroren. Nur der Kaffee ist heiß. Wir werden kurz nach sechs Uhr in der Früh abgeholt. Es ist noch dunkel. Mit dem Kleinbus fahren wir zum Start des Tongariro Alpine Crossing. Ein Shuttle hinter dem anderen fährt die Gravelstraße hoch. Das kann ja heiter werden. So viele Menschen auf einem Wanderweg. Kein Wunder. Drei Tage lang konnte die Tour wegen schlechtem Wetter nicht gemacht werden. Nun gehen alle heute. Auch wir.
Beim Start werden wir gefragt, ob wir uns gut fühlen und gesund sind. Auch bei der Online-Anmeldung beim DOC, Department of Conservation, mussten wir schon beantworten, ob wir einer solchen Tour gewachsen sind. Sie hat es in sich. Es sind insgesamt 20 km in alpinem Gelände, 800 Aufstiegsmeter und 1100 Höhenmeter Abstieg. Acht Stunden sind dafür angesetzt. Dann wird man am Ziel wieder abgeholt.
Die grandiose Landschaft der Vulkane lenkt von den vielen Wanderern ab. Wir gehen in der Dämmerung los. Hinter uns erreicht die Sonne schon die Landschaft und wir sehen den Vulkan Taranaki, schneebedeckt, weit in der Ferne. Dort waren wir vor zwei Monaten. Vor uns ist noch alles im Schatten. Erst auf dem ersten Pass scheint die Sonne. Neben uns ragt der Ruapehu empor. Oben am Kraterrand tritt Rauch hervor. Was am Anfang noch ein Spazierweg war, ist irgendwann ein hochalpiner Weg. Mit steilen Aufstiegen und einem heiklen Abstieg durch Geröll.
Mit Aussichten der Superlative: auf Krater, die aussehen wie das Tor zur Hölle, auf die umgebenden Vulkane, auf erstarrte Lavaflächen, und auf Kraterseen mit smaragdgrünem Wasser. Kaum zu beschreiben. Der Abstieg ist endlos lang. Er geht von der hochalpinen Region bis zum Nativ-Forest. In der Ferne sehen wir den riesigen Lake Taupō. Unser morgiges Ziel. Unsere Beine, besonders die Oberschenkel, werden müde vom Absteigen. Es ist für unsere Radfahrermuskulatur eine ungewohnte Belastung. Doch dann sind wir am Ziel. Wir haben sieben Stunden gebraucht. Sechs Stunden reine Gehzeit, der Rest Fotostopps und eine Essenspause. Wir sind müde, aber noch überwältigt von der Schönheit der Vulkanlandschaft. In unsere Top 10 werden wir diese Tour sicher wählen.
























Eine Antwort zu „Tongariro National Park“
die Tour ist an Schönheit nicht zu überbieten. Die Fotos sind so schön, die Motive liegen am Weg. Danke dafür
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