22. März 2025
Wir verabschieden uns von den Vulkanen. Es geht bergab. Es ist kalt. Wir möchten an den Lake Taupō. Ein Gebirge aus bewaldeten Vulkanen versperrt uns die Abfahrt bis zum See. Es geht über einen Pass. Wenigstens wird uns jetzt warm. An einem Lookout treffen wir einen Neuseeländer mit Mountainbike auf seinem Camper. Er erzählt uns, dass er an die Bridge of Nowhere über den Trail gefahren ist. Top organisiert vom Campingplatz in Pipiriki, wo wir vor ein paar Tagen waren. Er wurde zum Start des Trails gefahren und an der Brücke von einem Boot abgeholt. So fährt man hier Rad. Doch heute lassen wir uns auch ein Teilstück chauffieren. Wir bekommen mehrmals bestätigt, dass der Highway vom Beginn des Sees bis kurz vor Taupō gefährlich für Radfahrer ist.
Das Taxiunternehmen My Waka Your Waka holt uns, wie vor vier Tagen vereinbart, um Punkt zwölf Uhr ab. Steve, der Fahrer, hat einen Radständer für seinen Kleinbus dabei. So kommen wir bestens bis zu einem Radweg 15 km vor Taupō. Steve erzählt uns von einem Radrennen rings um den See mit 6000 Startern. Der Highway wird dabei nicht für den Autoverkehr gesperrt. Irre. Der Radweg, Great Lake Pathway, geht immer am See entlang. Er wurde als schönster Radweg prämiert. Kein Wunder, es ist auch der einzige Radweg an einem neuseeländischen See.
Wir fahren an vielen Stränden vorbei. Es ist Wochenende und viele Einheimische nutzen das schöne Wetter aus. Am Seeufer gibt es Sportmöglichkeiten, kleine Parks, Grillplätze… Und noble Wohnhäuser, Resorts und Lodges. Alles ist so anders, als wir es die ganze Zeit gewohnt sind. So städtisch und gepflegt. Und die Menschen gehen raus. Anders als auf dem Land. Das Wasser des Sees ist glasklar. An der Uferpromenade in Taupō kommen wir nur noch langsam voran. Dann ist Stau. Viele Schaulustige stehen auf dem Weg und fotografieren in Richtung See. Hier gibt es die Hole in One Challenge. Mit einem Golfschläger soll ein Golfball in ein Loch auf einem schwimmenden Ponton in 102 m Entfernung getroffen werden. Einige treffen die Plattform, doch keiner das Loch. Wer das Loch trifft, wird mit 10.000 NZ$ belohnt. Der Andrang ist groß.
Auf dem Campingplatz beziehen wir heute ein Haus mit drei Zimmer. Unsere vorgebuchte Cabin ist Out of Order. So bekommen wir ein Upgrade. Trotz unserer müden Beine vom gestrigen Abstieg wandern wir noch zu den Huka Falls. Immer am blauen Wasser des Waikato entlang. Wir staunen über das Freizeitangebot von Taupō. Es reicht von Bungeespringen, Jetboot fahren, Mountainbike Trails, Frisbee Golf, Public Golf… bis zu unzähligen Thermalbädern. Sogar kostenlose heiße Quellen gibt es. Und wir wandern. Mit Schmerzen. Bergab geht gar nicht. Trotzdem sind es nachher über 13 km. Und zu den Huka Falls wollen wir morgen nochmal. Sie lagen schon im Schatten. Und das bei Sonne weiß-blaue Wasser war schwarz.
Erdwärme und Wasserkraft
23. März 2025
Unser erstes Ziel heute sind wieder die Huka Falls. Aber wir fahren mit dem Rad. Unsere Beine sind immer noch verhärtet und schmerzhaft. Wir machen eine Radtour ohne Gepäck. Wir fahren zum See und nehmen ein Video auf. Mohits Freunde haben dazu aufgerufen, heute am 23. März, zu seinen Ehren zu laufen, Rad zu fahren, zu schwimmen… und in Instragram zu posten. In Newcastle, Großbritannien, findet eine Gedenkfeier statt. Sarah ist nach England geflogen. Wir hoffen, es wird nicht zu schwer für sie. In Gedanken sind wir bei ihr.
Heute scheint die Sonne auf die Wasserfälle des Waikato Rivers, des längsten Flusses Neuseelands. Er verengt sich an der Stelle dramatisch. Die Wassermassen würden ein olympisches Becken in einem Schwimmbad in 11 Sekunden füllen. Von den Falls geht es auf einen Berg zu den Craters of the Moon. Das ist ein geothermisches Gebiet mit Kratern und Fumerolen, an denen heißer Dampf austritt. Dann fahren wir wieder zum Fluss. Über einen Flussradweg. Nicht zu vergleichen mit Flussradwegen in Deutschland. Dieser ist schmaler als ein Single Trail. Ein zehn Zentimeter breiter Sandstreifen mit hohen Grasnaben seitlich. Aber schön am Waikato entlang. Der wird dort angestaut. Und die Tore im Staudamm werden viermal täglich geöffnet, um Wasser aus dem See zu lassen. Dann entsteht unterhalb ein reißender Fluss in einem engen Tal mit großen Felsen. Um 16 Uhr ist es soweit. Wir kommen rechtzeitig. Einige Schaulustige stehen schon auf der Brücke. Mit schrillen lauten Signalen wird gewarnt. Dann geht es los. Der Wasserschwall ist immens. In wenigen Minuten entstehen Stromschnellen, in denen kein Kajakfahrer eine Chance hätte.
Zurück müssen wir wieder über einen Berg. Vorbei an viel Geothermie. Überall raucht es. Riesige Geothermiekraftwerke erzeugen Strom aus Erdwärme. Rund 18% der Stromerzeugung Neuseelands. Wasserkraft liefert fast 60 % der Energie. Hier am Lake Taupō gibt es beides.
Wai-O-Tapu
24. März 2025
Wir fahren an unserem 45. Radtag zum zweiten Mal mit Rückenwind (!). Und das noch bei flacher Strecke. Und über eine Seitenstraße parallel zum Highway. Eine vermeintliche Sitenstraße. Die Trucks fahren auch hier. Nicht ganz so viele. Wir sind schnell heute. Aber der Verkehr nimmt immer mehr zu. In Reporoa können wir abbiegen. Auf eine weitere parallel verlaufende, aber kleinere Straße. Diesmal keine Fahrzeuge. Endlich Ruhe. Nur noch vier Kilometer müssen wir dann doch wieder auf die Hauptstraße. Nur bis zum Abzweig auf eine kleine Straße durch Nativ-Forest nach Wai-O-Tapu.
An einer Brücke gibt es einen heißen Fluss. Leute sitzen im Wasser. Wir ziehen die Schuhe aus und testen. Es ist viel zu heiß. Selbst an den Füßen halten wir das nicht lange aus. Dann halt nicht baden. Im Geothermiepark fragen wir nach, ob wir heute den Rundgang machen können und morgen früh den Geysir besuchen können. Die Dame an der Kasse heißt uns willkommen. Natürlich brauchen wir nur einmal Eintritt zu zahlen. Und die voll bepackten Räder dürfen wir sicher hinter einem Tor abstellen.
Der Rundgang dauert zwei Stunden. Die Aussichten sind fast irreal: in tiefe Krater mit brodelndem Schlamm, auf weiße Sinterterrassen, grüne Seen, gelbe Ablagerungen von Schwefel, heiße Wasserfälle und den riesigen Champagnerpool, die größte heiße Quelle Neuseelands. Überall ist Dampf und es riecht streng nach faulen Eiern. Wir sind überwältigt von den Farben. Und ignorieren den Geruch. Es ist sicher einer der spektakulärsten Orte Neuseelands. Nicht ganz so spektakulär ist das einfache Hotel gleich in der Nähe. Das einzige hier. Die Zimmer sind einfach, zu Essen gibt es im Restaurant und die Räder stehen zusammen mit drei Gravelbikes im Flur. Und zum Empfang bekommen wir zwei Packungen Oropax geschenkt. Denn die Zimmer liegen direkt am Highway.
































Eine Antwort zu „Lake Taupō“
Was für eine atemberaubend tolle Landschaft 🤩!
Was für ein Farbenspiel – SENSATIONELL! 👍🤗
Und lustig:
Bei euch ist das Wasser zu HEISS für ein Fußbad 🥵,
bei uns waren gestern im Aquajogging die Duschen KALT 🥶 …
😉
Liebe Grüße aus IGB nach NZ❣️
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