Gravel Road

27. März 2025

Gleich hinter dem Lake Rotorua biegen wir auf eine Seitenstraße ab. Wir wollen nach Norden, nehmen aber einen Umweg nach Südwesten in Kauf. Es ist die Strecke, die uns Brian vorgestern empfohlen hat. Die Nebenstraße führt an kleineren Höfen vorbei. Ein Pass auf fast 700 m wartet auf uns. Und eine fast 20 km lange Gravelroad. Sie ist einigermaßen gut fahrbar. Und das Beste ist, wir sehen auf unserer ganzen heutigen Strecke vielleicht 10 Autos. So ein schöner ruhiger Radfahrtag. Toll. Dafür nehmen wir Steigungen und Geholper gerne in Kauf.

In einer Kleinstadt, in Tokoroa, wollen wir zelten. Endlich mal wieder. Doch der Campingplatz sieht wenig einladend aus. Es gibt nur alte vergammelte Wohnwagen von Festcampern. Es sieht aus wie auf einem Schrottplatz. Nein, hier möchten wir nicht bleiben. Wir finden noch ein nettes Motel. Unsere Räder können wir in die Wäscherei stellen. Und in der Stadt gibt es leckeres thailändisches Essen. Unser Tag war kein neuseeländisches Highlight. Doch wir kommen voran.

Weiße Straßen

28. März 2025

Wie gestern suchen wir heute nach weißen Straßen. Geteert, aber sonst die niedrigste Kategorie unserer Straßenkarte. Die erste passt. Es geht hügelig durch Farmland. Dann biegen wir ab auf eine Nebenstraße parallel zum Highway. Doch was ist das? Ein Auto hinter dem anderen, Trucks, Lärm… Warum nehmen die nicht den Highway? Wahrscheinlich ist das eine beliebte Abkürzungsstrecke. Es gibt keinen Seitenstreifen. Wie blöd ist das denn?! Nach ein paar Kilometern finden wir einen rettenden Abzweig, das bedeutet 10 km Umweg. Aber besser als dieser Verkehr.

Wir kommen wieder zum längsten Fluss Neuseelands, dem Waitomo. Seit den Huka Falls in Taupō ist er ganz schön breit geworden. Hier gibt es einen Radweg, der zu den Great Rides gehört. Der Waitomo River Trail ist ein schwieriger Single Trail. Wir erreichen ihn, als er als Radweg neben der Straße weitergeführt wird. Wir bleiben auf der Straße parallel zum Fluss. Schilder weisen darauf hin, dass man ihn benutzen soll. For your Safety. Na dann. Auf ebenen Strecken ist er einigermaßen fahrbar. Doch an jeder Steigung müssen wir absteigen. Dort liegt dicker loser Schotter. Was denken sich die Radwegebauer dabei? Und dann hört er einfach auf. Die Neuseeländer lassen sich dort abholen. Uns holt keiner ab.

Dann weiter auf der Hauptstraße. Aber nur ein kurzes Stück. Eine schöne weiße Straße führt an Hobbiton vorbei nach Matamata. Wir lassen die Kulissen der Herr der Ringe Filme links liegen. Wir haben noch keinen der Filme gesehen, deshalb steht die Besichtigung nicht auf unserer To-do-Liste. Aber die hügelige Landschaft gefällt uns. Ein kurzes Stück hinter Matamata liegt unser Campingplatz. Heute zelten wir. Doch zuvor schwimmen wir noch ein paar Bahnen im beheizten Pool. Gleich nebenan sind heiße Quellen.

95 km Radweg

29. März 2025

Endlich können wir mal einen der Great Rides, einen der neuseeländischen Fernradwege fahren. Und es soll auch mit der einfachste aller Trails sein. Er beginnt in Matamata und wir wollen ihm bis zur Halbinsel Coromandel folgen. Ca. 95 km bis Thames. Zuerst ist er asphaltiert und straßenbegleitend. Dann führt er flach durch Farmland. Links und rechts sind Zäune. Wir fahren über hunderte von kleinen Brücken über Bäche und über hunderte Viehsperren auf dem Boden. Kühe haben Vorfahrt. Meistens gibt es nur eine schmale Spur im Schotter. Aber es ist in Ordnung. Wir genießen die Ruhe. Die Infrastruktur des Radweges ist besser als der Belag. Alle paar Kilometer gibt es ein Häuschen mit einer Sitzbank und eine Toilette.

In Paeroa machen wir Pause. Es ist eine typische neuseeländische Kleinstadt. Mit einer rein funktionellen Hauptstraße. Schnellimbisse, Läden, ein Café, ein Supermarkt reihen sich aneinander. Mit Giebeln wie im wilden Westen. Es gibt keine netten Restaurants oder Cafés, die zum Verweilen einladen. Jeder hält mit seinem Wagen an, springt irgendwo rein und braust davon. Ein Motorradfahrer blockiert eine Einmündung in den Highway. Er sperrt die Straße für ungefähr 200 um die Ecke brausende Harleys oder sonstige Motorräder fahrende Kollegen. Ohrenbetäubender Lärm. Sabine hält sich die Ohren zu.

Wir fahren zurück auf den ruhigen Radweg. Und kommen ans Meer. Endlich. Unser Campingplatz in Thames liegt in einem Tal abseits vom Meer. Wir werden auf Deutsch willkommen geheißen. Die Besitzerin hat 21 Jahre in Deutschland gelebt. Wir sollen unsere Räder in ihre Garage stellen. Sie hat schlechte Erfahrungen mit Diebstählen gemacht. In Queentown hat sich ein Radhändler noch über unser Kettenschloss amüsiert. Nun gut. Dann sind wir hier auf der Nordinsel vorsichtiger. In der Küche tauschen wir uns aus mit Kurt, einem Radfahrer aus der Schweiz. Ein nettes Gespräch. Unser Zelt steht direkt vor dem Regenwald mit Nikau-Palmen, Silberfarnen und sogar Kauri-Bäumen. Wunderschön. Wir liegen im Zelt und lauschen den Lauten aus dem Wald. Und dann hören wir die lauten Rufe eines Kiwi. Das erste Mal in Neuseeland.

Anstrengender lockerer Tag

30. März 2025

Etwas über 40 km stehen heute auf dem Programm. Ein lockerer Radfahrtag. Dann können wir am Morgen noch eine kleine Wanderung machen. Die Räder stellen wir vollbepackt in die Garage. Die Wanderung geht zuerst einmal 300 Höhenmeter steil nach oben. Durch Wald mit Kauri- und Kiefernbäumen. Ab und zu haben wir Ausblick auf das Meer. Die Campingplatz-Besitzerin hat uns gewarnt. Wir sollen den gleichen Weg wieder zurückgehen und nicht einen gesperrten Weg. Es hätten sich schon Leute im Urwald hier verlaufen. Was machen wir? Wir gehen natürlich den verbotenen Weg. Es gibt keine Markierungen mehr, viele umgestürzte Bäume, teilweise ist er zugewuchert und nur schwer erkennbar. Kurt, der Schweizer, kommt uns entgegen. Er geht die Wege in umgekehrter Richtung. Wir sollen an den Flussquerungen Acht geben. Wenn er den Weg gefunden hat, dann schaffen wir es auch.

Der Wald ist unbeschreiblich schön. Kleine Vögel mit langen schwarzweißen Schwanzfedern, die Fantails, fliegen ganz nah um uns herum. Es geht steil bergab, aber machbar. Ab und zu queren wir den Bach über rutschige Steine. Doch dann geht es nicht mehr weiter. Wo ist der Weg? Wir versuchen es oberhalb des Baches. Fehlanzeige. Nur Gestrüpp. Kein Weg. Wir sehen alte Wegmarkierungen. Aber dort geht es auch nicht weiter. Das GPS hat keinen Empfang. Wir versuchen die Orientierung nicht zu verlieren. Im Dickicht zwischen Farnen und Palmen sieht alles gleich aus.  Sabine rutscht aus und fällt aufs Knie. Nichts passiert, nur ein blauer Fleck. Wir kommen nicht weiter. Dann gehen wir eben den ganzen Weg wieder zurück. Eine Gravelstraße ist nur ungefähr 200 m entfernt. Egal. Wir kommen nicht dorthin. Auf einmal entdeckt Sabine den Weg auf der anderen Bachseite. Wieso haben wir den übersehen? Noch etwas Kraxelei und wir kommen zur Straße. Eine Stunde später als geplant.

Aber 40 km Rad fahren sind doch ein Klacks. Es werden lange 40 km. Der Radweg ist schlecht. Lumpy, bumpy steht als Warnhinweis an seinem Beginn. Wir fahren über wellige, löcherige Lehmwege, über losen groben Schotter, gegen den Wind und doppelt so weit wie über den Highway. Aber wir sind allein. Wir begegnen keinem einzigen Radfahrer. Wir fahren durch die Wetlands. Über Dämme am Meer. Dann ist der Damm gesperrt. Den Weg unterhalb sollen wir nutzen und ca. acht Kilometer das Rad schieben. So der Hinweis auf einem Schild. Sind die Radwegebauer hier noch ganz bei Trost? Wir schlingern durch den losen Schotter. Nach zwei Kilometern reicht es Klaus. Er hängt einen Weidezaun aus und schiebt unsere Räder auf die gesperrte Böschung. Wir sind Experten in der Nutzung von gesperrten Wegen. Und wir können fahren. Der andere Weg: reine Schikane. Müde und hungrig kommen wir auf dem Campingplatz an. Es sollte eigentlich ein Tag zum Ausruhen sein.

Radtag 48 (Tag 74)
Wir vermuten hinter jedem Hügel die Hobbits.
Besser Gravel als Verkehr…
… wenn es auch etwas holpriger ist.
Auch eine Schotterpiste hat ein Ende!
Holzfällerdenkmal in Tokoroa
Lieber ins Motel, als auf diesen Schrott- sorry, diesen Campingplatz.
Radtag 49 (Tag 75)
Der Waitomo ist seit Taupō mächtig gewachsen!
So sieht ein Fernradweg in NZ aus…
… und er endet im Nichts. Scheinbar nehmen sich die Radwegebauer selbst auf den Arm: What‘s next? Eine berechtigte Frage im Nirgendwo!
9 km Highway, wie in der Rush Hour am Kölner Ring.
Wir sollen die Hobbits links liegen lassen. Steht doch da, oder?!
Der Tag endet im beheizten Camping-Pool.
Radtag 50 (Tag 76)
Die Kaimai Range hat uns den Weg zum Meer versperrt.
Auf einem Great Ride, aud dem Hauraki Rail Trail.
Eine ruhige Kaffepause in Paeroa.
Die Eigenarten eines neuseeländischen Fernradwegs…
… aber er führt zum Ziel nach Thames,…
… mitten im Wilden Westen.
Flexibel muss man sein.
Endlich wieder Camping, wunderschön im Urwald.
Wir kochen tatsächlich erst zum zweiten Mal mit unserem Kocher. Wegen der vorbildliche Infrastruktur der Campsites ist das sonst nicht notwendig.
Radtag 51 (Tag 77)
Endlich entdecken wir ihn: den Kingfisher!
Vor dem Wandern im Urwald mit Kauri-Bäumen, bitte desinfizieren!
Rainbow über der Bucht von Coromandel.
Und noch ein Blick in den Firth of Thames
Hier ist noch alles in Ordnung…
… im wundervollen Native Forest…
… geheimnisvoll…
… traumhaft.
Hier wird es schon etwas dichter…
… dann geht nichts mehr!!
Wer nicht hören will, muss fühlen!
Dann weiter mit dem Rad, auch hier zunächst sehr entspannt…
… dann lumpy and bumpy
Nicht mit uns! Schieben und Drücken auf den verbotenen Damm.
!!!
Wir schaffen die 40 km gerade so vor Sonnenuntergang 🤪.