Korsika 2025

Endlich wieder nach Korsika
11. Oktober 2025

Warum waren wir 17 Jahre lang nicht mehr auf Korsika, der schönsten Insel im Mittelmeer?

Im Jahr 2007 sind wir vierzehn Tage mit dem Rad rund um Korsika gefahren. Bei schönstem Herbstwetter und kaum Verkehr. Davor waren wir mit unserem VW-Bus mehr als 20-mal auf der Insel. Alleine und später als Familienurlaub mit unserer Tochter Sarah. Zum Wandern, Windsurfen, Schwimmen, Canyoning und vor allem zum Rad fahren. Wir kennen jede kleine Straße in den Bergen und am Meer. Die Landschaft mit hohen Bergen, tollen Buchten und türkisblauem Meer war jahrelang unser Traumziel.

Und dann 17 Jahre lang nicht mehr??? Andere Ziele rückten in den Vordergrund: Kanada, Namibia, Radtouren überall in Europa, und und und… Doch wir haben Korsika nicht vergessen. Endlich ist es wieder unser Ziel für eine Radtour. Sabine hat Herbstferien. Zwei Wochen haben wir Zeit.

Mit unserem Auto geht es nach Toulon zur Fähre. Es sind 920 km, aber auf der französischen Autobahn entspannt zu fahren. Nach der Einstimmung mit einem Pietra, einem korsischen Bier, im Hafen geht es abends aufs Schiff. In unserer Kabine erholen wir uns von der Fahrt.

Die korsische Flagge

Von Calvi nach Porto – Ein Velotraum
12. Oktober 2025

Heute starten wir unsere Radrunde durch den Norden der Insel. Vom Hafen in Ile Rousse sind es mit dem Auto nur wenige Kilometer bis Calvi. Dort bleibt es fünf Tage auf einem Campingplatz stehen. Wir bauen unsere Räder auf und starten bei sommerlichen Temperaturen. Bis Porto möchten wir fahren. Wir sind begeistert: Korsika ist noch genauso wie vor 17 Jahren. Nichts hat sich negativ verändert. Die kleinen Städte wurden nicht zugebaut und die Küste ist immer noch wunderschön. Eine atemberaubende Radstrecke erwartet uns. Ein Ausblick ist sensationeller als der andere.

Vorbei am Golfe de Galeria, über den Col de Palmarella, wir schauen hinab nach Girolata und das Naturreservat Scandola. Es überholen uns kaum Autos, nur ein paar Motorradfahrer sehen wir häufiger. Sie scheinen viel Hunger zu haben und machen dauernd Pausen. Der Straßenbelag wechselt zwischen rau und löcherig. Aber was soll‘s? Wir wollen kein Rekordtempo fahren, sondern die Landschaft genießen. Mit unseren neuen Rädern bei traumhaftem Wetter in traumhafter Kulisse. Ein Velotraum!!

In Porto liegt der Campingplatz hoch oben über der Stadt. Wir kaufen im benachbarten Supermarkt ein und freuen und über unseren Aussichtsplatz mit Blick auf die Berge.

Wir starten in Calvi
Bei traumhaftem Sommerwetter…
… freut sich Sabine.
Da machen selbst die unzähligen Höhenmeter Spaß.
Macchia, Felsen, Berge, Küsten – typisch Korsika.
Der Fotograf ist begeistert…
Die Landschaft ist ein Traum…
… ein Velotraum.
Es geht spektakulär weiter…
… bis nach Porto.
Unser Dinner – perfekt, dass wir die Stühle dabei haben.

Von Porto nach Evisa – Kletterpartie
13. Oktober 2025

Wie schön es hier ist. Ein Frühstück mit Aussicht. Wir schmecken, fühlen und riechen Korsika. Wie der berühmteste Korse Napoléon die Insel schon an ihrem Duft erkennen konnte, riechen auch wir das typische Aroma der Macchia mit ihren unzähligen Kräutern. Den Col de Vergio, den höchsten Pass, werden wir gemütlich in zwei Tagen angehen. Zu unserem heutigen Übernachtungsziel sind es gerade mal 26 km, aber satte 1000 hm.

Unsere Tour ist sowas wie eine Revival-Tour. Wir besuchen die Orte, die uns am schönsten in Erinnerung sind. Und Evisa inmitten riesiger Laricio-Kiefern gehört auf jeden Fall dazu. Schade nur, dass es auf dem Campingplatz in der Nachsaison keine Holzofenpizza gibt und dass der einzige Supermarkt ab heute geschlossen hat. Zwei Tüten Outdoor-Nahrung sind unsere Rettung. Und auf unserer Nachmittagswanderung zu den Piscine Naturelle, vom Fluss geformten Schwimmbecken, decken wir uns noch mit dicken Kastanien ein. Sie liegen überall zu Tausenden rum. Unser Nachtisch ist gerettet. Wir kochen sie und essen, bis wir nicht mehr können. Den Rest bekommen die Wildschweine.

Der nächste Anstieg ins Landesinnere
Historische Genueser-Brücke
Geradeso durchgekommen – wir hätten fast bis Porto umkehren müssen.
Wir begegnen (zahmen) Wildschweinen…
… Kühen…
… einem Schaf?…
… und einer Ziegenherde.
Höher…
… und höher…
… bis zur (einzig möglichen) Kaffeepause. Wir haben sie uns verdient.
Am Nachmittag noch eine kleine Wanderung in den Laricio-Kiefernwald…
… bis zu einem Piscine naturelle.
Camping mit Aussicht in Evisa
Kastanien sammeln für den…
…Nachtisch.
Im Sanitärgebäude sollte man besser nicht barfuß laufen.

Von Evisa nach Piedigriggo – Über Korsikas höchsten Pass
14. Oktober 2025

Beim Zeltabbau fängt es an zu regnen. Dann hört es wieder auf. Aber das Zelt ist nass. Es geht noch 780 hm bergauf. Immer durch Kastanien- und Kiefernwald, vorbei an Herden von Schafen, Ziegen, einigen Kühen und unzähligen Wildschweinen. Die Sangliers sind Mischungen zwischen Wild- und Hausschweinen. Sie gehören den Bauern, laufen aber frei rum, mit Vorliebe am Straßenrand. Gefährlich sind sie nicht. Am Pass warten sie auf kleine Häppchen von Autofahrern.

Wir schauen in den Nebel. Den höchsten Berg, den Monte Cinto, sehen wir leider nicht. Schade. Zweimal waren wir schon auf dem 2700m hohen Gipfel. Es fängt wieder an zu regnen. Auf dem 1.467 m hohen Col de Vergio zieht sich Sabine warm und regendicht an. Klaus ist optimistisch und bleibt in kurzen Hosen und Windweste. 50 km Abfahrt könnten wir genießen, doch nicht bei diesem Wetter. Nach ein paar Kilometern ist Klaus durchgefroren und wechselt auf Regensachen. Die Straße durch den Wald ist glatt und kurvig. Gut, dass wir neue Scheibenbremsen an unseren Rädern haben. Die funktionieren auch bei dem Regen, der immer heftiger wird. Wir frieren. Arme und Beine zittern. Wir zittern so, dass das ganze Rad vom Lenker ausgehend unsicher hin und her wackelt. Die Handschuhe sind triefnass und unsere Hände eiskalt. Da wird selbst das Bremsen zur Herausforderung. Bis Calacuccia halten wir durch. Ein einziges Restaurant hat geöffnet. Dort sitzen schon andere durchnässte Radfahrer. Die heiße Lasagne tut gut.

Dann geht es durch die Scala di Santa Regina, eine spektakuläre Schlucht. Bei dem Nebel und Regen etwas gespenstisch. Kurve um Kurve fahren wir am Golo entlang, der im Herbst wenig Wasser hat, wenn er auch heute nochmal etwas aufgefüllt wird. Auch weiter unten wird es nicht wärmer. Gestern hatten wir noch über 20 Grad. Auf den fünf Kilometern Hauptstraße, die durch ganz Korsika von Norden nach Süden führt, können wir uns wieder warm fahren. Auf einem sicheren Seitenstreifen. Und dann kommen wir doch noch ins Schwitzen. Zu dem Chambre d`Hôtes, unserer heutigen Unterkunft in Piedigriggo, geht es mehrere Kilometer über eine einsame Straße steil bergauf. Und es lohnt sich: wir haben ein schönes Zimmer und werden von der Dame des Hauses mit einem typisch korsischen Menu verwöhnt.

Durch die bunten Herbstwälder klettern wir…
… auf den höchsten Pass Korsikas: Col de Vergio, 1.467 m
Eiskalte Abfahrt
Wir zittern durch den Regen.
Die gespenstische Scala di Santa Regina
Wir lassen uns nicht unterkriegen!
Unser heutiges Ziel ist wieder auf dem Berg: Piedigriggio

Von Piedigriggo nach St. Florent – Einsame Serpentinen
15. Oktober 2025

In Ponte Leccia finden wir heute wieder einen Supermarkt. Mit frischem Proviant klettern wir über einsame Staßen bis zum Col de Bigorno. Der Anfang ist mit 15% Steigung schon heftig. Unsere Räder sind mit fünf Gepäcktaschen voll beladen. In den Bergdörfern an der Höhenstraße ist die Zeit stehengeblieben. Ein paar nette Senioren grüßen uns freundlich. Viele Häuser scheinen verlassen. Zu den nächsten größeren Ortschaften ist es weit.

Leider kommen auf dem Pass die Wolken zurück. Und starker kalter Wind. An der romanischen Kapelle in Murato wollten wir unser Baguette essen. Wir frieren im Wind und fahren weiter bergab, bis wir endlich wieder in der Sonne sind. An der Ruine einer Kapelle machen wir Picknick und wärmen uns auf. Noch 15 km bis zum Badeort St. Florent. Dort laufen alle in Shorts und Flipflops rum. Und dem Internet ist nicht zu trauen. Der Campingplatz am Meer ist entgegen der Anzeige auf der Website geschlossen. Doch am Fluss gibt es glücklicherweise noch einen weiteren Platz. Wir genießen unser Abendessen in absoluter Ruhe beim Sonnenuntergang direkt am Fluss.

Nach Regen kommt Sonne
Durch die einsamen Serpentinen
Wir blicken zurück auf die schroffen Bergspitzen von Popolasca
Lento, eines der vielen verschlafenen Bergdörfer
Die letzten Höhenmeter zum Col de Bigorno
… und die Abfahrt vom Pass mit Blick aufs Meer.
San Michele in Murato
St. Florent am Fuß des Cap Corse
Camping am Fluss

Von St. Florent nach Calvi – Panoramastraße der Balagne
16. Oktober 2025

Heute fahren wir zurück nach Calvi. Vom Golfe de St. Florent geht es durch die Désert des Agriates bis Lozari. Es ist eine einsame eindrucksvolle Landschaft. Steile Hügel ragen aus einer Macchia-Steppe hervor und grenzen die Hochebene von den weißen Traumstränden an der Küste ab. Wir kennen die Strände von früheren Reisen. Sie gehören zu den schönsten, die wir bisher gesehen haben. Doch heute wird leider alles Schöne vermarktet. Einige Outdoor-Anbieter werben mit Quad-Touren durch die Désert zu den Stränden. Die fragile Natur wird zerstört und an den Stränden ist im Sommer Hochbetrieb. Wir waren damals dorthin gewandert. Heute können wir sie nur in der Ferne erahnen.

Nach der Macchia-Wüste müssen wir ein Stück auf die Hauptstraße. Hier ist viel Verkehr. Und das in der Nachsaison. Deswegen biegen wir in Lozari auf eine einsame Straße in die Balagne ab. Hier kennen wir uns aus. Einige Urlaube haben wir hier verbracht. Doch leider nützt uns das nichts. Unsere Straße ist nach wenigen Kilometern gesperrt. Wir müssen wieder zurück und steil hoch nach Belgodère. Doch danach freuen wir uns über 32 km Panoramastraße durch die malerischen Dörfer der Balagne. Schade, vor Calvi geht es doch wieder auf die stark befahrene Küstenstraße, bis zu unserem Auto auf dem Campingplatz. Morgen starten wir dann zu unserer Südtour auf Korsika.

Durch die Désert des Agriates
Undurchdringliche und unüberriechbare Macchia
Wir verlassen die grüne Wüste
… und erreichen unser langjähriges Ziel für Surfurlaube: Lozari.
Bis Belgodère müssen wir wieder 400 m hoch…
… und dürfen wieder die traumhafte Panoramatraße der Balagne genießen.
Zurück in Calvi
Auf die Karte klicken und ihr könnt unsere Route in Komoot anschauen!

Von Calvi nach Brustico – Transfer mit Badestopp
17. Oktober 2025

Heute ist Ortswechsel angesagt. Mit dem Auto. Wir planen für morgen eine Wanderung auf den Monte San Petrone. Mit seinen 1.767 m gehört er nicht zu den höchsten Bergen Korsikas. Doch die Aussicht auf die Hauptgebirgskette, das Cap Corse und die Ostküste soll grandios sein. Dort wollten wir immer schon mal hin. Unser Basiscamp für die Besteigung liegt in der Castagniccia, einer Bergregion mit Millionen Kastanienbäumen. Über kleine kurvige Straßen rechnen wir mit zwei Stunden Fahrtzeit. Wir haben also noch Zeit.

Wir entscheiden uns für einen Strandbesuch. Den Plage de Ostriconi haben wir gestern schon von weitem gesehen. Auch dort wollten wir immer schon mal hin. Auf unseren vergangenen Reisen haben wir es nie geschafft. Das Auto muss man weit entfernt abstellen. Und dann ein paar Kilometer durch Schilf, Dünen und einen Fluss wandern. Es ist ein riesiger Sandstrand in einer malerischen Bucht. Und es ist warm. Mindestens 25 Grad in der Sonne. Das Wasser ist wohltemperiert. Wir schwimmen abwechselnd im Meer (einer passt auf die Wertsachen auf). Danach fahren wir in die Castagniccia.

Die Straßen werden immer enger. Wir erkennen unsere Radroute von 2017 wieder. Wir haben eine Ferienwohnung gemietet. In Brustico. Oder besser gesagt unterhalb. Nach der Angabe der Vermieter sollen wir einfach einem Schild Pizzeria folgen. Na gut. Es führt uns bergab auf eine Schotterstraße mit so engen Kurven, dass Klaus immer ein Stück zurücksetzten muss, um sie zu umfahren. Spannend. Auf einem Bergsporn ist dann Schluss. Drei Häuser stehen dort, danach beginnt der Abgrund. Hier ist tatsächlich unsere Ferienwohnung, und im Vorgarten auch die Pizzeria, wer auch immer diese besucht, besuchen kann. Ein netter Empfang, eine nagelneue Wohnung und ein atemberaubender Ausblick. Ein schönes Basislager in einer der typischsten der korsischen Gegenden.

Durch Schilf und einen Fluss…
… zum Baden am Strand von Ostriconi.
Schwimmen im angenehm warmen Mittelmeer
Auf diesen Aussichtsberg wollen wir morgen: Monte San Petrone

Auf den Monte San Petrone – Der Aussichtsberg der Castagniccia
18. Oktober 2025

Von dem Sackgassenort Campodonico führt ein alter Maultierpfad auf den Bocca di Prato. Wir wandern durch Macchia und Erlenwälder bis zu einer Hochebene. Kühe grasen dort. Menschen sehen wir nicht. Von hier aus biegen wir ab in Richtung Gipfel. Er sieht aus wie eine Felskrone mitten im Wald. Und der Wald ist wunderschön. Er besteht aus uralten Buchen mit dicken Stämmen und knochigen Ästen. Manche Bäume haben nicht nur einen sondern fünf oder sechs Stämme. Das Laub der Buchen ist herbstlich goldgelb gefärbt. Und über allen ragt der Monte San Petrone. Auf dem Gipfel treffen wir dann doch noch andere Wanderer. Sie haben den Hauptweg von Norden genommen. Wir genießen die Aussicht und essen unsere Brote. Nebel kommt auf. Es wird Zeit, abzusteigen.

Wir sammeln noch Kastanien, um sie mit nach Hause mitzunehmen. Einen ganzen Sack machen wir voll. Kiloweise Maronen mitten auf der Straße und in wenigen Minuten. Wir lassen den zahmen Wildschweinen noch genügend zurück. Richtige wilde Wildschweine mussten heute ihr Leben lassen. Den ganzen Tag haben wir Schüsse von Jägern gehört. Die blutige Beute liegt nun auf der Straße und auf den Pick-Ups der Jäger. Diese feiern ihre Jagd mit einem korsischen Bier. Wir genießen den Abend auf unserem Bergsporn mit einem vegetarischen Essen.

Wir starten in Campodonico
Am Wegesrand wird für ganztätigen Sonnenschein gebetet.
Dieser Herstwald ist an Schönheit kaum zu übertreffen.
Die letzten Meter zum Gipfel
Geschafft
Die SaBossis genießen…
… den fantastischen Rundumblick auf ganz Korsika. Gerade noch rechtzeitig, bevor uns der Nebel verschlingt.
Wir sammeln kiloweise Kastanien. Einfach aufheben. Fertig.

Von Brustico nach Porto Vecchio – Nicht alles ist schön
19. Oktober 2025

Auf einem Campingplatz in der Nähe von Solenzara an der Ostküste werden wir unser Auto wieder für ein paar Tage abstellen. Wir haben noch eine Radtour im Süden der Insel geplant. Bis auf die Halbinsel östlich von Porto Vecchio möchten wir heute noch fahren. Der Campingplatzbetreiber warnt uns vor dem Verkehr auf der Küstenstraße. Auf einem längeren Stück können wir diese umfahren. Auf einer Nebenstraße durch kleinere Touristenorte. Die Küste ist immer mehr zugebaut. Bungalows reichen vom Meer bis auf die Hügel. Es ist eine beliebte Urlaubsregion rings um Porto Vecchio. Wir fragen uns warum? Es gibt nur wenig Strände. Anscheinend sonnen sich die Bewohner der Luxusvillen im Sommer eher an ihren eigenen Pools und genießen den Meerblick. Und der Golfe de Porto Vecchio ist nicht wirklich schön. Nicht im Vergleich zu anderen Buchten Korsikas.

Wir trinken einen Kaffee und fahren zur Halbinsel. Über einen Pass quälen wir uns hoch. Die Campingplätze dort oben sind schon geschlossen. Doch ein einfacher Camping à la Ferme hat noch geöffnet. Dazu müssen wir nochmal runter auf Meeresniveau. Es ist ein richtiger Bauernhof mit Rindern mit riesigen Hörnern, Hunden, Katzen, Ziegen, Pferden… und Moskitos. Egal. Hauptsache, wir können unser Zelt aufstellen. Der Strand in der Nähe ist voller Algen. Er lädt nicht zum Baden ein. Doch wir sind mitten in der Natur, vom hässlichen Porto Vecchio ist nichts zu sehen.

In Cervione verlassen wir die Castagniccia.
Nicht ganz so spektakulär weiter in den Süden…
… aber mit einem wunderschönen Umweg zum Plage de Palombaggia.
Wir finden einen Camging à la ferme, Camping auf einem Bauernhof.

Von Porto Vecchio nach Bonifacio – Der südlichste Punkt
20. Oktober 2025

Bonifacio, die südlichste Stadt Korsikas, ist heute unser Ziel. Von dort sind es nur 13 km übers Meer nach Sardinien. Bonifacio liegt an einem Fjord auf fast 100m hohen Kreidefelsen. Nur auf einem Viertel unserer heutigen Strecke können wir die Route National meiden. Doch dort ist es wunderschön. Hier ist einer der bekanntesten Strände Korsikas. Der Plage de Palombaggia. Wir schieben unsere Räder bis zum Strand. Einige Badende nutzen das schöne Wetter. In der Hauptsaison sind hier alle Parkplätze belegt, trotz der horrenden Parkgebühren. Leider müssen wir danach wieder auf die Hauptstraße. Sie hat meistens einen befahrbaren Seitenstreifen, doch sie ist schnurgerade. Ziemlich langweilig. Erst kurz vor Bonifacio geht es durch Wald und kurvig bergauf. Wir können auf eine Seitenstraße. Und fahren dann 100 Höhenmeter bis zur Stadt steil bergab.

Offene Campingplätze gibt es nur außerhalb. Deshalb haben wir einen kleinen Bungalow neben einem Wohnmobilstellplatz gebucht. Er liegt zwischen hohen Kreidefelsen. Zum Hafen und ins Zentrum ist es nur ein Katzensprung. Wir bleiben zwei Tage hier und werden morgen an der Küste wandern. Am Abend machen wir noch eine kleine Rundtour mit den Rädern. Zum Plage de Piantarella, dem Startpunkt einer Kajaktour vor einigen Jahren.

Ein Muss für Korsikareisende: Bonifacio
Bonifacio trohnt auf einem 100 m hohen Kreidefelsen.

Bonifacio – Wanderung auf den Kreidefelsen
21. Oktober 2025

Die Altstadt von Bonifacio liegt hoch über dem Fjord und Hafen auf den Kreidefelsen. Bonifacio ist eines der populärsten Ziele Korsikas. Von der Festung der Stadt hat man spektakuläre Blicke auf den Fjord, die Klippen und das Meer. Und nicht allzu weit entfernt: auf Sardinien. Mit der Fähre dauert die Überfahrt auf die italienische Nachbarinsel weniger als eine Stunde. Auf Sardinien waren wir schon vor längerer Zeit. Heute wandern wir an der korsischen Südküste. Wir verlassen die Altstadt und steigen hoch auf den Küstenweg. Die Ausblicke von den Klippen auf die Stadt sind noch imposanter. Hier sind noch einige Touristen unterwegs. Doch weiter entfernt von der Stadt gibt es immer weniger Menschen. Wir kommen nur langsam voran. An jedem Aussichtspunkt halten wir an. Vom Leuchtturm am Capo Pertusato führt ein steiler Pfad runter zum Meer. Zu einem Sandstrand zwischen bizarren Kreidefelsen. Ein Paar warnt uns vor einer Schlange, die kurz zuvor ihren Weg gekreuzt hat. Die Frau springt panisch umher, doch die Schlange hat noch mehr Angst und schlängelt sich ins nächste Gebüsch. Doch wir sind auf unserem Rückweg auf der Hut.

Nach einer kleinen Stärkung in unserem Bungalow machen wir uns wieder auf den Weg. Diesmal nach Westen. Ein alter Maultierpfad führt durch viel Wald zu dem Capo di Feno. Hierher verirren sich nur wenige Touristen. Auf halbem Weg zum Kap erreichen wir den Phare de La Modetta. Von dem Leuchtturm bietet sich ein toller Blick auf den Fjord, auf die gegenüberliegende Altstadt, auf die Felsen. … und auf Sardinien. Der Weg hat sich gelohnt. Wir sind fast 30 km gelaufen. Und jetzt müssen wir uns sputen um vor der Dunkelheit zurück zu sein.

Wandern mit Aussicht, mit Sonne…
… Wind.
Abstieg zum Meer
Über einen Maultierpfad erreichen wir…
… einen Aussichtspunkt über den kompletten Fjord…
… und den Leuchtturm La Modetta.
Die Fähre hat gerade abgelegt nach…
Sardinien, hier am Horizont, 13 km entfernt.

Von Bonifacio nach Sartène – Sturmwarnung
22. Oktober 2025

Im Wetterbericht gibt es Sturmwarnungen. Für heute Nachmittag und vor allem für übermorgen. Mit Böen in den Bergen von bis zu 140km/h. Da haben wir auf den Rädern keine Chance. Was tun? Wir wollten nach Sartène und Zonza und dann über den Col de Bavella wieder zurück zu unserem Auto. Unmöglich bei Sturm. Es geht über 1200 m Höhe durch die Berge, dem Orkan wären wir schutzlos ausgesetzt. Unsere nächsten zwei Unterkünfte sind schon vorgebucht. Wir haben nur eine Möglichkeit. Wir beschließen, heute zum Auto zurückzufahren und dann mit dem Auto unsere Strecke fortzusetzen. Die Radtour endet dann halt wieder in Solenzara. Das hatten wir noch nie: die gleiche Strecke wieder zurück. Doch sie ist auch an einem Tag zu schaffen. Unterwegs nutzen wir den letzten Sommertag und können noch einmal im Meer schwimmen.

Der Campingplatzbetreiber wundert sich nicht über unsere frühe Rückkehr. Er hat ebenfalls die Sturmwarnung erhalten und unterstützt uns in unserrer Entscheidung. Wir packen die Räder ein und fahren los. Auf der Höhenstraße vor Sartène gibt es immer mehr Wind. In Sartène haben wir ein Hotelzimmer im fünften Geschoss. Über einem Abgrund. Nichts für Leute mit Höhenschwindel. Wir suchen uns ein kleines Restaurant mit typisch korsischem Essen. Sartène war in der Vergangenheit berüchtigt für die Vendetta, die Blutrache. Heute sind die Bewohner nett und halten andere Traditionen aufrecht, z.B. die Paghjella. Das ist ein polyphoner Männergesang der traditionellen korsischen Volksmusik. Wir entscheiden uns jedoch gegen einen Konzertbesuch, wir haben Hunger.

Nach einer Sturmwarnung kehren wir um, genauso geradlinig.
Wir nutzen den letzten Sommertag für einen Badestopp.
Wir beenden unsere Radtour. Mit der Sturmwarnung planen wir komplett neu.
Wir fahren bis Sartène.
Typische korsische Bergstadt, enge Gassen, hohe Häuser.
Auf die Karte klicken und ihr könnt unsere Route in Komoot anschauen!

Von Sartene nach Zonza – Herbstwanderung zu einem Löwen
23. Oktober 2025

Bis Zonza ist es mit dem Auto nicht weit. Mit dem Rad wäre es eine Tagestour mit vielen Höhenmetern gewesen. Wir haben also Zeit. Es fängt an zu regnen und der Wind legt zu. Wir schauen auf der Wetter-App, wo es eventuell später regnet. Wir fahren zurück zum Cap de Roccapina. Dort gibt es einen Wanderweg zum Rocher du Lion, einem Felsen, der wie ein Löwe aussieht. Es ist etwas neblig, aber noch trocken. Wir wandern zu einem Strand und dann hoch zu einem klassischen Genueser-Turm. Ab und zu schaut sogar die Sonne aus den Wolken hervor und lässt das Meer türkisblau erstrahlen. Auf dem Rückweg werden wir dann doch noch nass.

Wir fahren über kleine Bergstraßen hoch nach Zonza. Bei schönem Wetter sind wir dies vor Jahren schon mal geradelt. Es tut uns schon leid, dass es heute nicht möglich ist. Doch es wird immer kälter, stürmischer und regnerischer. Auch der Vermieter unseres Zimmers in Zonza versteht unsere Entscheidung, nicht weiter Rad zu fahren. Im Restaurant am Dorfmittelpunkt können wir am offenen Kamin Platz nehmen. Wir freuen uns über die Wärme. Welch ein Unterschied zu vorgestern, als wir noch baden waren. Zum Nachtisch bekommen wir auf dem Feuer geröstete Kastanien.

Mit einem Elefanten und…
… einem korsischen Gnom
… entdecken wir einen Löwen an der Südküste Korsikas…
… den Lion de Roccapina.
Trotz des einsetzenden Regens wandern wir dorthin…
… hier der Löwe aus Strandperspektive.
Aufstieg zum Genueser-Turm.
In einer kurzen Regenpause, der Wind hat schon mächtig zugelegt.
Die Wolken rasen über den Abendhimmel in…
… dem Bergdorf Zonza.
Hier holt uns der Herbssturm endgültig ein.

Von Zonza nach Corte – Durch den Sturm
24. Oktober 2025

In Zonza beginnt die Passstraße zum Col de Bavella. Doch was ist das? Ein blinkendes Warnschild: Col fermée. Der Pass ist gesperrt, wegen zu starkem Wind. Da hätten wir mit den Rädern jetzt ein Problem gehabt. Mit dem Auto können wir einen Umweg über einen weniger exponierten Pass fahren, über den Bocca d’Illarata. Doch auch hier hat der Wind, der Sturm, ganz schön zugelegt. Gut, dass die korsischen Kiefern hier in den Bergen so sturmfest sind. Zuhause würden herabgefallene Äste und umgestürzte Bäume auf der Straße liegen. Hier liegen keine Äste auf der Fahrbahn. Wir steigen kurz aus. Und können jetzt erst die Gewalt des Windes fühlen. Wir breiten die Arme aus und stellen uns schräg in den Wind. Starke Böen werfen uns fast um.

Wir fahren durch den Forêt de l´Ospédale hinab zur Ostküste. Schon wieder an Porto Vecchio vorbei. Corte, die frühere Hauptstadt, ist unser Ziel. Wir lieben diese kleine Stadt in den Bergen. Sie war schon mehrmals unser Ausgangspunkt von tollen Bergtouren und Mehrtageswanderungen. Unser Lieblingscampingplatz hat geschlossen, doch in einem Hotel auf einem Weingut finden wir ein Zimmer. Wir machen einen Spaziergang ins Restonica Tal und gehen in die Altstadt essen. Unser letzter Abend auf Korsika.

Die Radtour zu beenden war die einzig richtige Entscheidung…
… selbst mit dem Auto können wir nicht über den Col de Bavella.
Auf der Umfahrung über den Bocca d’Illarata „liegen wir im Wind“.
Ziemlich heftiger Sturm, wir können uns kaum auf den Beinen halten.
Die starken Laricio-Kiefern trotzen dem Orkan.
Sämtliche Wolken wurden weggefegt. Klarer Blick auf das Bavella-Massiv.
Wir übernachten in einem alten Herrschaftshaus von Weggenossen Napoléons.
Die Citadelle in der heimlichen Hauptstadt Corte.
Der Freiheitskämpfer Pascal Paoli wacht über die Altstadt von Corte.

Von Corte nach Bastia – Eisbaden im Tavignanotal
25. Oktober 2025

Heute Abend fährt unsere Fähre. Doch der Tag bleibt uns noch. Wir wandern ins Tavignano Tal. Bis zur Brücke über den Fluss. Wie oft sind wir diesen Weg schon gegangen. Doch jedes Mal immer wieder ein tolles Erlebnis, und wunderschön. Ein schmaler Pfad führt immer entlang der Schlucht, ca. 50 bis 100 m über dem Fluss. Und oberhalb die Berge mit Kiefern und Felsen, typisch Korsika. Bis zur Brücke sind es einige Kilometer, doch es ist die einzige Stelle, an der man zum Fluss runterkommt. Und riesige Gumpen laden zum Baden ein. Ende Oktober eher nicht, aber wir trotzen der kühlen Witterung. Klamotten aus und rein ins eisig kalte Wasser des Tavignano. Es ist wie Eisbaden. Auf dem Rückweg kommen immer mehr Wolken und auf der Fahrt nach Bastia fängt es an zu regnen. Wir parken unser Auto am Fährhafen und bummeln noch durch Bastia. Mit einem letzten Pastis nehmen wir Abschied von unserer Lieblingsinsel. Wir kommen sicher wieder- und nicht erst in 17 Jahren.

Eine letzte Wanderung…
… im Tavignano-Tal.
In den Gumpen…
… ist Eisbaden angesagt, na ja, mindestens 5-10 Sekunden.
Der Rückweg führt an Kunstwerken vorbei:
Spannende Felsformationen und…
… eindrucksvolle Baumrinden.
Au revoir korsische Bergwelt.
Mit einem letzten Pastis veraschieden wir uns von Corse
… im alten Hafen von Bastia.

Nach stürmischer Fährüberfahrt nach Hause
26. Oktober 2025

Gut, dass wir eine Kabine hatten. Die Nachtfahrt mit der Fähre war aufregend. Meterhohe Welle haben das riesige Schiff hin- und hergeworfen, oder besser gesagt auf und nieder. Wir haben mit erhöhtem Puls in unserer Kabine gelegen und sind nicht mehr aufgestanden. Nur so konnten wir die Seekrankheit vermeiden. Das Bersten und Knarren des Schiffes hat uns eine sehr unruhige und fast schlaflose Nacht beschert. Erst kurz vor Savona wurde die See ruhiger.

Müde sind wir die 800 km bis nach Hause gefahren. Den Alptraum auf der Fähre vergessen wir schnell, der Velotraum Korsika wird noch lange nachwirken.

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