07. Oktober 2024
Gerade mal 500 m von unserem Start entfernt schimpft Klaus laut. Er hat bis in die Nacht die Strecke geplant und nun das: kein Asphalt, sondern wieder Gravel. Auf Komoot wurde das nicht so angezeigt. Hier in Spanien ist auf das Programm bezüglich des Straßenbelags kein Verlass. Wir wenden auf die Hauptstraße. Nur ein kurzes Stück. Dann geht es mit Rückenwind über hügeliges Farmland. Die Felder sind abgeerntet und gepflügt. Nur die Olivenplantagen sind noch grün. Dazwischen gibt es immer wieder eine lange Palmenalleen zu einer Hacienda. Trotzdem ist es spannender als gestern in der Ebene.
Dann wird es anstrengend. Richtungswechsel. Wir müssen genau gegen den Wind. Und der ist heftig. Sogar bergab treten wir gegen die Böen an. Rennradfahrer applaudieren uns. Wir kommen nur langsam voran. Gerade heute haben wir über 100 km zu fahren. Hinter Jerez geht es nicht mehr ganz frontal gegen den Wind. Wir kommen am Circuito de Jerez vorbei, einer Formel 1-Rennstrecke. Klaus geht zum Aussichtspunkt. Sabine passt auf die Räder auf. Mit den Bikes dürfen wir nicht rein. Und sie ärgert sich währenddessen über die Berge von Müll, die hier im Straßengraben und auf den Hunderten Parkplätzen rumliegen. Da werden mit Motorsport-Veranstaltungen Millionen verdient und man ist nicht in der Lage den Müll zu beseitigen. So als würde man nach Rock am Ring die Abfälle am Nürburgring einfach liegen lassen.
Es wird spät, bis wir endlich in dem Ort auf dem grünen Hügel Andalusiens ankommen. Und es fängt an zu regnen. Von unserem Hostel haben wir eine tolle Aussicht. Wir sind die einzigen Gäste. Klaus geht einkaufen und ist ewig unterwegs. Die kleinen Gassen in dem weißen Ort sind alles Einbahnstraßen. Er muss dauernd rauf und runter fahren, hin und her, bis zum Supermarkt. Sabine ist froh, im Hostel geblieben zu sein. Sie schwimmt in der Zwischenzeit ein paar Bahnen im Pool mit Blick in die Landschaft. Im Regen. Egal. Auf der Terrasse können wir dann im Trockenen essen. Der Wind hat nachgelassen. Dafür regnet es die ganze Nacht. Gut, dass unser Zelt trocken bleibt.
Unser südlichster Punkt in Europa
08. Oktober 2024
Auf nach Tarifa. Dem südlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Und an der Straße von Gibraltar gelegen. Der Meerenge, die Europa und Afrika trennt und an der sich Atlantik und Mittelmeer treffen. Hier ist auch die engste Stelle mit gerade einmal 14 km Breite. Nicht in Gibraltar.
Beim Frühstück auf der Terrasse unseres Hostels genießen wir in der Morgendämmerung die wunderschöne Aussicht über die Landschaft. Nebel legt sich wie ein Schleier über die Hügel und Felder. Bei Sonnenaufgang sieht es wunderschön aus. Dann warten wir noch einen Regenschauer ab. Im Sonnenschein fahren wir los. Über einen Höhenrücken mit Pinien. Vorbei an weißen Dörfern, die immer hoch oben auf dem Berg liegen. Dann gibt es für uns keine andere Route. Wir fahren eine Nationalstraße. Vorteil dieser übergeordneten Straßen ist der breitere Seitenstreifen. Wir kommen schnell voran. Heute mit leichtem Rückenwind.
Riesige Trucks mit Pferden überholen uns. Dann wissen wir warum. Neben der Straße ist ein gigantisches Reitgelände. Schlecht einsehbar von der Straße aus. Wir sind neugierig. Wir biegen auf eine kleine Straße ab. Vielleicht sehen wir von da mehr. Es ist die Einfahrt zu dem 500 Hektar großen Gelände. Ein freundlicher Security am Eingang lädt uns zur Besichtigung ein. Heute dürfen auch die Räder mit. Nur nicht zu den Stallungen. Ein paar Zahlen: es gibt ca. 2400 Ställe, über 20 Reitplätze, 13 Reithallen, Waldwege, 8 Restaurants, Parkplätze für 800 Pferdetrucks… Die Area heißt Dehesa Montemedia und ist das größte Resort dieser Art in Europa. Hier finden die wichtigsten Reitsportevents in allen Disziplinen auf internationalem Level statt. Momentan die Andalucia Sunshine Tour. Sabine als ehemalige Reiterin ist begeistert. Und freut sich, dass hier anders als beim Motorsport alles top gepflegt ist und kein Krümel Müll rumliegt.
Die nächste Sportart erwartet uns dann in Tarifa. Die kilometerlangen Strände sind ein Mekka für Kite- und Windsurfer. Eventuell sogar der beste Spot in Europa. Heute ist noch wenig Wind. Trotzdem sind viele bunte Drachen am Himmel. Bestimmt freuen sich viele Surfer auf den Sturm, der für morgen vorhergesagt wird. Aus dem Grund haben wir für zwei Tage ein Apartment gebucht. Mit Blick auf den Strand, auf die Kiter und die Halbinsel zwischen Mittelmeer und Atlantik. Wir gehen zu dem Steg, der beide Meere trennt. Links Atlantik mit Wellen und rechts das ruhige Mittelmeer. Ein netter Passant fotografiert uns. Wir kommen ins Gespräch. Wir erzählen, dass der Atlantik eher unser Meer ist, weil wir ihn von Frankreich bis hierher mit dem Rad begleitet haben. Der Mann antwortet, er und seine Begleiterin und sein Begleiter seien zum Schwimmen hier. Sie kommen aus Tasmanien um die Straße von Gibraltar zu durchschwimmen. Dieser Kanal gehört zu den Ocean’s Seven, einer Serie von sieben Langstrecken-Schwimmen durch Meerengen auf fünf Kontinenten. Als Äquivalent zu den Seven Summits der Bergsteiger. So ein Zufall. Gerade gestern hat der Saarbrücker Andreas Waschburger einen neuen Weltrekord im Kaiwi-Kanal auf Hawaii aufgestellt. Wir erzählen, dass wir ihn sehr gut kennen. Am Ende gehen wir zusammen in eine Strandbar und unterhalten uns angeregt über Schwimmen, Rad fahren und Reisen um die Welt. Für uns am südlichsten Punkt Europas, für die Schwimmer aus Tasmanien ganz im Norden.



















