Mit dem Bulli durch Norwegen

Der Bulli fordert uns heraus

30. Juni 2026

Wir starten am frühen Morgen. Nicht mit den Rädern sondern mit unserem alten VW-Bus. Der T3 hat schon 39 Jahre auf dem Buckel und nun soll er uns bis nach Trondheim in Norwegen und zurück bringen. Wie das? Fanden wir es bei unserer Norwegen-Malta-Tour nicht blöd bis ans Nordkap mit dem Wohnmobil zu fahren? Und jetzt wollen wir selbst bis Mittelnorwegen. Die Fahrräder nehmen wir mit. Und das Wichtigste: ein Rad transportieren wir im Innern des Busses. Und das ist auch der ursprüngliche Grund unseres Road-Trips. Wir bringen das Rad unserer Tochter Sarah nach Norwegen. Sie startet im Juli zu ihrem dritten Transcontinental Race von Trondheim bis auf die Peleponnes in Griechenland. Mit einem nagelneuen Rad. Doch selbst kann sie es nicht zum Start mitbringen. Drei Wochen vor dem Rennen ist sie mit ihren Schülern im Rondane-Fjell unterwegs. Zum Wandern. Sie kann in Norwegen bleiben und die Schüler fahren mit den Kolleg*innen zurück. Im Reisebus ist auf der Hinfahrt kein Platz für ein Rad mit Gepäck. So springen wir als Eltern ein. In unserem Bulli ist noch Platz. Er muss es nur noch bis Trondheim schaffen. Und wir verbinden die Fahrt mit fast sechs Wochen Norwegenurlaub. Perfekt.

Es ist heiß. Nicht mehr ganz so heiß wie vor zwei Tagen mit Schattentemperaturen von fast 42 Grad. Doch über 30 Grad sind für eine Fahrt im alten VW- Bus auch schon zu viel. Eine Klimaanlage gab es zu seiner Bauzeit noch nicht. Die Lüftung ist laut und es kommt nur heiße Luft. Bei geöffneten Fenstern ist es genauso. Egal. Dann halt schwitzen. Schon bei der Abfahrt. Denn es ist spannend: springt er an oder nicht. Seit er letztes Jahr einen neuen Tank und eine neue Benzinpumpe bekam, hat er Probleme. Er zieht keinen Sprit und springt nicht an. Wenn er nicht tagelang steht, sollte es kein Problem sein. Sagt der Werkstattmeister. So weit so gut. Er geht sofort an und wir tuckern los. Auf der Autobahn in Richtung Kiel sogar flott. Kein Stau, kein Stoßverkehr. Nach 400 km machen wir eine Pause. Und fahren weiter. Bis zum Ende der Einfädelspur. Dann bleibt unser Bus einfach stehen, als wäre der Tank leer. Doch wenige Kilometer vorher haben wir getankt. Klaus ruft beim ADAC an. Wir sind dort versichert. Nicht weil wir Fans des Automobilclubs sind, sondern weil wir ein uraltes Auto haben. Wir stehen mit Warnwesten hinter der Leitplanke und warten. Zwanzig Minuten später werden wir abgeschleppt und in eine Werkstatt gefahren.

Der Meister erklärt uns schon unterwegs das Problem. Wir haben nicht lange genug Pause gemacht. Bei der Hitze und mit heißem Motor können sich im Stand Luftblasen in der Benzinleitung bilden. Kühlt er ab, verschwinden sie. Es ist das gleiche Problem wie schon zuhause: er zieht keinen Sprit. Es gibt eine einfache Abhilfe. Man muss die Verbindung zur Benzinpumpe abschrauben und Benzin ansaugen. Das ist jedoch erst einmal umständlich. Der Motor befindet sich hinten unter unserer Liegefläche. Alles muss weggeräumt werden. Taschen, Klappstühle, Tisch, Räder auf dem Heckträger. Doch es klappt. Bulli hat sich helfen lassen und fährt uns bis Bad Segeberg zum Campingplatz. Und eine Abkühlung gibt es dazu. Ab Hamburg schüttet es wie aus Eimern und auf dem Campingplatz gibt es einen angenehmen Landregen. Morgen sind es dann noch 50 km bis zur Fähre Kiel-Oslo. Wir sind geschafft, auch ohne Rad fahren. Doch in der ersten kühlen Nacht seit Wochen schlafen wir super. Unser Bulli hat auch Vorteile.

Auf die Fähre

1. Juli 2026

Wir frühstücken im Bus und fahren nach Kiel in den Hafen. Ohne Probleme. Wir stellen den Bus in die Warteschlange und gehen noch kurz in die City. In einer Apotheke kaufen wir ein Klistier. Das benutzt man normalerweise bei Verstopfung und nicht zum Benzin saugen. Wir erklären der Apothekerin, dass wir es für unser Auto brauchen. Sie ist etwas irritiert. Und als Klaus beim Bezahlen seine Techniker Krankenkasse angibt, meint sie: „das passt doch“ und lacht. Im Hafen werden wir von einer Warteschlange in die nächste geschickt. Motor an, Motor aus. In der letzten Schlange hat Sabine Panik, dass der Bus nicht mehr angeht. Widerwillig lassen wir ihn im Stand laufen. Und entschuldigen uns beim Chef-Garagen-Steward . Sabine erklärt ihm, das wir Angst haben, dass er nicht mehr startet. Endlich dürfen wir ins Schiff und werden nach ganz vorne direkt vor die Rampe gelotst. Im Notfall können wir auch ohne Motor aus der Fähre rollen. Klaus vermutet, dass das vom Chef-Garagen-Steward so beabsichtigt ist.

Wir beziehen unsere Kabine, schlendern durchs Schiff und übers Deck, machen Gymnastik, planen die Fahrt durch Norwegen und essen mehrere Gänge vom üppigen Abendbuffet. Fast zu üppig. Gut, dass es bei unseren geplanten Wanderungen nur Tütenessen gibt. Die Überfahrt ist ruhig. Das Meer hat keine Wellen. Morgen sind wir in Norwegen.

Der Hauptanlass für den Norwegen-Roadtrip: Wir bringen Sarahs Rennmaschine nach Trondheim zum Trans Continental Race.
Nur noch ein Foto vor der Werkstatt: Der Schreck war zu groß, als dass wir an einen Schnappschuss von dem Abschleppwagen gedacht hätten.
Nach 42 Grad zuhause die Abkühlung bei Hamburg
Am Tagesziel hat sich unser Bulli auf dem Campingplatz wieder beruhigt.
Und wir sind so was von froh,…
… auf der Fähre von Kiel nach Oslo zu sein.
Erst um 22:00 Uhr geht in Höhe von Mittel-Dänemark die Sonne unter.

Eine Antwort zu „Mit dem Bulli durch Norwegen“

  1. Avatar von unabashedlyghostly2914934103
    unabashedlyghostly2914934103

    Ihr Lieben, euer Bericht liest sich wie ein spannender Roman. Gute Weiterfahrt mit eurem Bulli. Meine Radtour startet am Dienstag nach Augsburg und dann weiter nach Ostiglia am Po. LG Eckhard

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