Angst vor dem Teufel in Heddal

5. August 2026

Wir sind auf Regen eingestellt. Der Campingplatz in der Nähe von Notodden ist etwas nass. Kein Wunder. Auf der Fahrt dorthin schüttet es nicht wie aus Eimern, ganze Badewannen werden über uns geleert. Wir fahren nicht, wir schwimmen. Auf den Straßen steht zentimeterhoch das Wasser. Wir fahren langsam. Überall Aquaplaning und unser Bulli-Scheibenwischer gibt sich alle Mühe. Wir sehen nur Wasser. In Notodden hört der Starkregen auf. Laut Wettervorhersage soll es ein paar Stunden so bleiben. Wir wandern zur Stabkirche Heddal. Der größten Norwegens, der Kathedrale der Stabkirchen. Bei einer Führung werden die Besonderheiten der Kirche erklärt. Neben der Konstruktionsweise aus mächtigen Holzstäben auch die überlieferten Geschichten um die Kirche. So gibt es um die Hauptkirche einen niedrigen Laubengang als Schutz vor Tieren und anderen Gefahren.

Der Südeingang war den Männern vorbehalten. Der Nordeingang war für die Frauen. Sie sind unterschiedlich in ihrer Gestaltung. Der Laubengang im Süden hat Fenster. Die Männer mussten dort ihre Waffen ablegen und ihre Hüte mit ihren Dolchen am Holz aufhängen. Die Menschen hatten zur Bauzeit der Kirche im Mittelalter panische Angst vor dem Teufel und Dämonen. Damit diese nicht in die Kirche kommen konnten, waren die Eingänge schmal und ringsum mit geschnitzten Schlangen verziert. Diese sollten die Männer schützen. Den Frauen gewährte man diesen Schutz nicht. Obwohl der Teufel von Norden kommt. Sie wurden als stark genug angesehen, sich selbst zu schützen. Wer in seiner Kindheit Wickie gesehen hat, weiß: Wikingerfrauen waren immer schon emanzipiert. Lediglich die Fenster im Laubengang ließ man weg. Wegen des Teufels. Die Stabkirche wurde mehrmals umgebaut, jedoch bei der Sanierung in den 50er Jahren wieder in ihren Originalzustand rückgebaut. Interessant. Und ein gutes Schlechtwetterprogramm für uns. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Waffeln wandern wir zurück. Und werden nur ganz leicht nass.

Sprungschanze für Wagemutige

6. August 2026

Der Regentag ist vorbei. Wir möchten in Vikersund Rad fahren. Klaus hat uns eine schöne Runde geplant. Es geht vorbei an viel Wasser. See oder Meer? Fjord heißt hier alles. Aber es ist ein riesiger See. Dann wollen wir zur Skiflugschanze Vikersund. Es ist die höchste Schanze überhaupt. Wer hier springt oder fliegt, braucht ganz viel Courage. Oder ist es sogar unverantwortlich? Uns wird schon vom Hochschauen schlecht. Und als wir lesen, dass der Österreicher Stefan Kraft hier einen Weltrekord von 253,5 m aufgestellt hat, können wir es nicht fassen. Sein Sprung ist noch markiert. Er hat gerade noch das Ende des Steilhangs getroffen. Die schöne Aussicht hat er bei seinem Flug sicher nicht genossen.

Wir fahren weiter, vorbei an Wasserfällen, Hydokraftwerken und einer alten Fabrik, in der Kobalt abgebaut und zu blauem Farbpulver zermahlen wurde. Eine schöne Radtour über wenig befahrene Straßen. Pünktlich vor einem Gewitterschauer sind wir am blauen Bulli.

Finale in Oslo

7. August 2026

Nur wenige Norwegentouren haben wir nicht mit einem Besuch der Hauptstadt Oslo beendet. Auch dieses Mal besuchen wir die Metropole. Am Sonntag fährt unsere Fähre hier ab. Zwei Übernachtungen haben wir auf einem Luxuscampingplatz auf dem Holmenkollen vorgebucht. Von hier aus kommen wir gut in das Zentrum und zum Fährhafen. Heute laufen wir zuerst hoch zur Sprungschanze und dem Biathlonstadion. Jedes Jahr Schauplatz von wichtigen Weltcups. Dass wir in der Nähe eines Wintersportzentrums sind, fällt uns schon gleich auf. Auf den steilen Straßen des Holmenkollen trainieren Langläufer mit Rollerski. Überall klacken die Stöcke auf dem Asphalt. Andere Sportler machen Lauf-und Radtraining am Berg. Oslo ist eine sportliche Stadt. So viele Jogger und Rennradfahrer gibt es nirgendwo sonst.

Mit dem Schrägaufzug fahren wir ganz nach oben zum Absprungpunkt der Schanze. Schwindelerregend und beeindruckend. Wir stellen uns die jubelnde Menschenmenge vor, in die die Springer hineinspringen. Mit einem Blick über ganz Oslo und den Oslofjord. Abgesehen von der meisterhaften Architektur der Schanze. Es gibt keine schönere. Von ihrer Kulisse profitieren auch die Biathleten im benachbarten Stadion. Einzelne Rollerskifahrer vermitteln uns einen Eindruck von den steilen Rampen auf der Langlaufstrecke. Es geht auf und ab. Weltcuptauglich auf jeden Fall. Durch Nobelwohngebiete gehen wir zurück. Wer hier wohnt, in diesen Villen, mit der Aussicht muss einiges auf dem Bankkonto haben.

Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad

8. August 2026

Wie oft sind wir schon durch Oslo gelaufen? Meist mit Blasen an den Füßen vom Skilaufen. Heute haben wir die Räder dabei. Wir machen eine Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad. Über Radwege fahren wir ca. 200 Höhenmeter bergab bis zum Fjord. Wir umrunden die Halbinsel Bygdøy, vorbei an kleinen Stränden und Häfen bis zum Frammuseet. Dann durch den Frogenerparken mit seinen Vigeland-Skulpturen. Am Schloss ist gerade Wachwechsel. Hunderte Touristen schauen zu. Wir tangieren die City und kommen an Oper und Munchmuseum vorbei. Beide lassen wir links liegen (tatsächlich rechts). Da waren wir schon mal. Wir haben ein anderes Ziel. Das Sørenga Sjøbad, ein Schwimmbecken vom Meer abgetrennt am Ende von Bjørvika. Im April war es zum Baden immer zu kalt, heute sollte es gehen. Wir sind nicht die einzigen Wagemutigen. Obwohl es bewölkt ist, windig und leicht zu regnen anfängt. Das Wasser ist prickelnd kalt. Aber wir waren drin: im Oslofjord.

Mit dem Rad sind wir schnell in unserem Lieblingsstadtviertel Grünerløkka. Einem Quartier mit kleinen Cafés, Restaurants, Vintageläden und einem etwas alternativen Flair. In der Kaffebrenneriet bekommen wir den besten Capuccino Norwegens. Am Fluß Aker entlang geht es bergauf. Und weiter bis zum Holmenkollen. Wir sind fast 50 km durch Oslo gefahren und haben so viel von der Stadt wiederentdeckt. Das geht nur mit dem Fahrrad.

 

Wir fahren nach Hause

9. bis 11. August 2026

Unsere Rückreise mit VW Bulli wird spannend. Bleiben wir irgendwo stehen? Kommen wir auf die Fähre? Wir sind aufgeregt. Bis zur Fähre sind es nur 15 km. Und es ist kühl. Wir hoffen, dass unser Freund im Hafen nochmal anspringt. Doch erst einmal Benzin auffüllen. Es ist in Norwegen wesentlich billiger als in Deutschland. Wir stellen uns in die Warteschlange im Hafen. Motor aus. In 90 Minuten sollte er wieder anspringen. Er lässt uns nicht im Stich. Doch dann über eine Stunde Stop and Go mit laufendem Motor. Mit den letzten Autos dürfen wir in die Schiffsgarage einfahren. Doch geschafft! Auf Deck atmen wir auf. Wir beziehen unsere Kabine, lesen, schreiben, stricken… bis zum üppigen Dinner-Buffet. Die Überfahrt ist ruhig.

Kurz nach dem Aufwachen gibt es das Frühstücks-Buffet. So halten wir bis zu unserem heutigen Ziel in der Nähe von Gießen auf jeden Fall durch. Denn: anhalten können wir nicht. In Kiel regnet es heftig. Bis Hannover. Dann wechselt das Wetter schlagartig auf blauen Himmel und Hitze. Zur Pipipause rennen wir abwechselnd und lassen den Motor an. Es wird immer heißer. Und auch der Motor. Dann ist die Autobahn voll gesperrt. Wegen eines Waldbrandes. Wir umfahren die Autobahn auf schmalen Straßen durch den Harz. Endlich kommt eine Tankstelle. Motor aus oder an? Wir lassen ihn laufen, mit schlechtem Gewissen. Unser Campingplatz sieht aus wie eine Steppe und liegt an einem See. Doch zum Abkühlen reicht der um 50 cm niedrigere Wasserstand noch aus. Ein letztes Mal streikt Bulli. Er bleibt beim Wechsel auf einen Schattenplatz einfach stehen. Wir schieben ihn zurück in die Sonne.

Noch etwas mehr als 300 km bis nach St. Ingbert. Noch einmal Tanken mit laufendem Motor. Wir haben es geschafft. Oder besser: unser VW-Bus hat es geschafft. Wir haben mit ihm Sarahs Rad nach Trondheim zu ihrem TCR-Start gebracht und eine tolle Reise durch Norwegen unternommen. Was sind schon so kleine Unwägbarkeiten angesichts der vielen unbeschreiblichen Eindrücke in diesem wunderschönen Land.

Norwegen ist für uns das schönste Land Europas. Egal, ob im Winter oder im Sommer. Es ist so vielfältig, mit oft unberührter Natur. Die Nationalparks mit ihren Fjell-Landschaften kennen wir von unseren Wintertouren. Nun auch im Sommer die Wälder und Seen, Wasserfälle und reißende Flüsse und die atemberaubenden Fjorde mit ihren steilen Wänden, kleine Dörfer und nette Menschen. Wir kommen auf jeden Fall wieder. Frühestens zur nächsten Skitour und ganz bestimmt einmal mit den Reiserädern.

Heute lernt Bulli schwimmen.
Regenwanderung bis zur…
… Stabkirche Heddal
Die Stabkonstruktion
Schmaler Eingang für die Männer: Drachen und Schlangen schützen die Memmen vor dem Teufel.😅
Wir starten unsere Radtour am…
… Tyrifjorden, einem riesigen Binnensee.
Besuch des Vikersund Hoppesenter
Sabine hopper auf der höchsten Skiflugschanze der Welt,…
… den Weltrekord hält Stefan Kraft mit sagenhaften 253,5 m!
Im Blaue-Farben-Werk wurde früher…
… Kobalt in die gleichnamige Farbe zermahlen.
Der Haugfossen lieferte die Energie für die Mühle.
Die nächste Schanze auf dem Holmenkollen in Oslo
Uns wird‘s schon mulmig vom runterschauen.
Für die Skispringer bestimmt eine ganz besondere Schanze!
Und im Sommer mit der Zipline.
Fast wie bei uns zuhause im Skikeller. Im Skimuseum entdecken wir mehrere unserer Langlaufski.
Ein weiterer Rekordversuch
Für uns wäre das auch ohne das Schild keine Option. 🤪Verrückt.
Langlauftraining im Biathlonstadion
Eine letzte Impression
Radtour in Oslo, hier auf Bygdøy.
Wer hier wohl normal die Aussicht genießt?😅
Morgen fahren wir mit dieser Colorline-Fähre.
Amundsen und sein Südpol-Expeditionstem vor dem Frammuseet.
Der Frognerpark mitten in Oslo…
… der größte Skulpturengarten der Welt…
… mit mehr als 200 Skulpturen des Bildhauers Gustav Vigeland…
Der zentrale Monolith mit 121 verknoteten Figuren.
Das hat uns im Park besser gefallen.😊
Hunderte beim Wachwechsel vor dem königlichen Schloss.
Überall ist man in Oslo nah oder direkt am Oslofjord.
Das Wahrzeichen Oslos, das Rathaus.
Die Bootsbauer haben bei den Architekten der Osloer Oper abgeguckt.
Die Radtour geht direkt an dem Operahuset Olso vorbei…
… und am Munch-Museum…
… bis zum Sørenga Sjøbad…
… dort tauchen wir bei Nieselregen in das eisige Meerwasser ein.
Über die Nordenga Bru erreichen wir…
… das alternative Stadtviertel Grünerløkka…
… mit wie der Name sagt viel Grün.
Wir verabschieden uns mit einem letzten Kanelboller von Oslo und dem wunderschönen Norwegen. Adjø Norge 👋.

 

Eine Antwort zu „Angst vor dem Teufel in Heddal“

  1. Avatar von delectablyunknowna8c785ca42
    delectablyunknowna8c785ca42

    Wir haben euch wie immer interessiert begleitet und freuen uns mit euch über die beeindruckenden Erlebnisse – eine Hommage an Norwegen!

    Gefällt 2 Personen