2. August 2026
Es ist unsere erste ruhige Nacht seit 12 Tagen. Ohne Aufwachen, auf Sarahs Tracker schauen, bangen: wo schläft sie?, wo fährt sie mitten in der Nacht? Und prompt verschlafen wir. Wir frühstücken in der Sonne und fahren los. Nach Rjukan, der Stadt zwischen riesigen Bergwänden der Telemark im Süden und der Hardangervidda im Norden. Der Stadt, in der nur in den drei Sommermonaten die Sonne scheint. Drei riesige Spiegel reflektieren Sonnenlicht auf den Hauptplatz. 1928 schenkte der Konzern Norsk Hydro, der mit seinen gigantischen Wasserkraftwerken Rjukan zu einem wichtigen Industriestandort machte, den Bewohnern des schattigen Tales eine Drahtseilbahn. Damit konnten sie in den sonnenarmen Monaten einfach hinauf auf 886m ins Sonnenlicht gelangen. Leider steht die Bergbahn seit einiger Zeit still. Wann sie wieder fährt, ist unbekannt.
Um auf die Hardangervidda zu gelangen, müssen wir steil bergauf zu Fuß gehen. Anstrengend, schweißtreibend aber machbar. Im Winter wollten wir auch hier zur Skitour starten. Das war damals Plan 1. Dann erfuhren wir von der Schließung der Bahn. Mit Skiern bis 886m aufsteigen war unmöglich. Schade. Heute wandern wir noch etwas höher auf einen Aussichtsgipfel auf 1100m Höhe. Es ist kalt und windig. Die Aussicht ist super. Im Süden der Gipfel des Gaustatoppen und die Telemark und im Norden das Fjell der Hardangervidda. Und im Tal sehen wir die Kraftwerksanlagen des UNESCO-Welterbes und viele Industrieanlagen. Rjukan ehrt an vielen Orten die Saboteure im Zweiten Weltkrieg, die verhinderten, dass die deutschen Besatzer hier mit schwerem Wasser experimentieren konnten, das sie zum Bau einer Atombombe brauchten. Eine interessante Stadt. Und für uns heute Ausgangspunkt einer tollen Bergtour. Mit den Rädern fahren wir zurück auf den Campingplatz und lesen die unzähligen Glückwünsche und Instagram-Beiträge zum Sieg unserer Tochter.
Der höchste Berg der Telemark
3. August 2026
In den letzten Tagen sind wir genug gewandert. Vor allem haben wir genug Höhenmeter zurückgelegt. Heute wollen wir Rad fahren. Mit dem Bulli fahren wir nur 30 km weiter. Für einen alten Bus anstrengende 30 km. Über steile Serpentinen geht es hoch bis zum Ausgangspunkt für eine Wanderung auf den 1883m hohen Gaustatoppen. Wir sehen eine Schlange von Menschen auf dem Weg nach oben. Viele nehmen auch die Bahn im Innern des Berges. Alle Parkplätze und der Straßenrand sind zugeparkt. Wir können wieder nicht anhalten. Doch zusammen mit solchen Menschenmengen auf einen Berg wollen wir eh nicht.
Gestern war hier sicher noch mehr los. Der Gipfel des Gaustatoppen ist das Ziel des Norseman. Des wahrscheinlich härtesten Triathlons der Welt. Geschwommen wird im 14 Grad kalten Sognjefjord. Dann geht es 180 km mit dem Rad durch die Hardangervidda. Der abschießende Marathon führt von Rjukan hinauf zum Gipfel des Gaustatoppen. Die letzten Höhenmeter über übles Blockwerk sind limitiert auf die ersten 160 Starter. Wer sich Norseman nennen will, muss leiden.
Auf unserer Fahrt leidet vor allem der Bulli. Und Sabine als Beifahrerin. Steil, Kurve um Kurve geht es wieder bergab. Unsere spätere Radtour über einsame Gravelstraßen durch die Telemark ist anstrengend, aber wunderschön. Und Sabine genießt ein kurzes Bad im kalten See. Kein Schwimmtraining. Zum Triathlon sind wir schließlich nicht hier.
Der Regen holt uns ein
4. August 2026
Ortswechsel. Wie fast jeden Tag. Dann Erkunden der Umgebung. Zu Fuß oder mit den Rädern. Unser nächstes Ziel ist Seljord. Der Campingplatz liegt an einem großen See. Wir stellen uns auf eine große Wiese. Dann entdeckt Klaus schönere Stellplätze am Strand. Leider hat er den Motor schon ausgemacht. Wenn wir drei Stunden warten, bis er abgekühlt ist, sind die schönen Plätze weg. Aber wir haben ja noch unser Klistier zum Benzinansaugen. Bulli läuft wieder und steht dann mit Blick auf den See. Es ist heiß in der Sonne. 36 Grad zeigt unser Thermometer an. Über 30 Grad wärmer als in der Nacht. Da waren es 3 Grad draußen und 7 Grad im Bus.
Wir suchen uns eine Radrunde über Nebenstraßen. Wieder mit etlichen Höhenmetern. Flach ist Norwegen nirgendwo. Asphalt und Gravel wechseln sich ab. Auf den entlegensten Straßen gibt es immer noch Bauernhöfe, Wohnhäuser und Hütten. Obwohl viele Norweger nach Oslo ziehen, wohnen etliche noch sehr abgelegen in den Bergen. Am See entlang geht es zurück. Die Sonne verabschiedet sich. Der Regen holt uns ein. Nach sechs Tagen gutem Wetter seit unserer Flucht vor dem Regen der Fjordküste. Es tropft sachte. Morgen soll ein richtiger Regentag sein. Es ist dann der dritte in fünf Wochen Norwegen. Eine gute Bilanz.




















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