Sabine schreibt den Bericht über eine Radreise, obwohl sie gar nicht mitgefahren ist. Doch die Reise war ihre Idee. Und ihr Geschenk zu Klaus‘ 66. Geburtstag. Eine Bikepacking-Tour nach und auf Korsika. Als Vater-Tochter-Tour. Denn Sarah hat Pfingstferien in Baden-Württemberg, Sabine im Saarland nicht. Sie muss arbeiten. Und zuhause bleiben. Außer an den zwei verlängerten Feiertagswochenenden. Dann geht sie mit ihrem Tourenrad selbst auf Tour. Denn die ganze Zeit alleine zuhause ist langweilig und blöd. Vor allem, wenn der Rest der Familie auf den schönsten Straßen Korsikas unterwegs ist. Das macht schon ein bisschen neidisch. Aber egal. Sabine freut sich über die allabendlichen Anrufe und Berichte von Sarah und Klaus. Und vor allem über die vielen tollen Fotos.
Aber nun zur Strecke. Klaus fährt erstmal alleine in einem Tag von zuhause mit dem Rad bis Freiburg. 210 Kilometer Einfahren. Dann mit der S-Bahn hoch nach Hinterzarten. Nach zwei Übernachtungen bei Sarah fahren sie sonntags zusammen los. Bis in die Schweiz an den Vierwaldstätter See. Dem Ausgangspunkt für die Königsetappe über den Gotthard Pass. Klaus kämpft mit seinem schweren Gepäck. Sarahs Rad wiegt die Hälfte. In der Po-Ebene kämpfen dann beide: gegen extreme Hitze und heißen Gegenwind. Nach fast 400 km nehmen sie am vierten Tag ab Savona die Nachtfähre nach Korsika. Das Bikepacking-Abenteuer beginnt.
Eine komplette Umrundung ist geplant. Sie umrunden das Cap Corse und kommen an die wilde Westküste. Es geht am Meer entlang oder über kleine Höhenstraßen in den Bergen mit viel Panorama. Es bleibt öfters auch Zeit für ein Bad im Meer. Bis Bonifacio ganz im Süden. Klaus war mit Sabine im Herbst schonmal auf Korsika. Stürme haben damals das Rad fahren beeinflusst. Nun ist jeden Tag tolles Wetter. Und mit Sarah sind die Strecken länger. Täglich summieren sich die Höhenmeter. Für Sarah als Ultracyclistin ist es eine Genusstour. Klaus muss sich anstrengen, genießt die Tour aber gleichermaßen.
Sarah hat täglich ein Déjà-Vu. An vielen Orten ist sie als Kind oder Jugendliche schon mal gewesen. Während unserer unzähligen Korsika-Urlaube mit dem VW-Bus. Es hat sich wenig verändert. Auf Radtour war sie hier noch nie. Klaus und Sarah übernachten im Zelt. Auf Campingplätzen. Im Zelt aufbauen und kochen mit dem Gaskocher sind beide routiniert.
Von Bonifacio geht es wieder nach Norden. Nicht entlang der eher langweiligen Ostküste, sondern durch die Berge. Mit vielen, vielen Höhenmetern. Es geht über einige der höchsten Pässe Korsikas. Diese Strecken konnten Sabine und Klaus im Herbst wegen des Sturms nicht fahren. Jetzt im Frühsommer scheint die Sonne und der Wind ist moderat. Tiefe Stellen an glasklaren Flüssen, sogenannte Gumpen, laden zur Erfrischung ein. Am Ende der Reise ist sogar noch eine kombinierte Wanderung aus Hike-a-Bike (wegen zerstörter Straße) und Hiking ohne Bike bis an den Melo-See bei Corte drin.
Die Korsika-Komplettumrundung schaffen die beiden in neun Tagen. Ab Bastia geht es mit der Fähre nach Genua und von dort mit dem Flixbus bis Freiburg. Die Räder liegen dank Vorbuchung in einem extra Gepäckabteil. Sarah und Klaus schwärmen von ihrer Vater-Tochter-Tour. Und Sabine freut sich mit ihnen.




































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