5. Juli 2026
Die Bergstraße nach Gjendesheim ist grandios. Die Fylkesvei 51 ist die zweithöchste Passstraße Norwegens. Wir haben 35 km tolle Aussicht auf Jotunheimen. Am höchsten Punkt des Hochgebirgsplateau Valdresflye auf fast 1.400 m steigen wir kurz aus. Der Wind weht kalt und heftig. Ohne dicke Jacken, Mützen und Handschuhe geht hier gar nichts. Und das ist auch unsere Kleidung für den Rest des Tages. In der Nähe von Gjendesheim parken wir den Bus auf dem Campingplatz. Auch hier windet es stark. Wir ziehen unsere dicken Wanderschuhe an und wandern durch Birken-und Erlenwäldchen immer weiter bergauf. Wir wollen auf die Sikkilsdalshøa.
Oberhalb der Baumgrenze machen wir kurz Rast. Klaus ist sich nicht sicher, ob wir den Gipfel heute noch schaffen. Noch 500 Höhenmeter. Aber es ist ja taghell bis tief in die Nacht, oder besser, bis zum nächsten Morgen. Wir essen unsere Brote. Sabine schaut auf ihre Schuhe und erschrickt. Die Zwischensohle löst sich auf. Nicht nur bei Sabine. Klaus‘ Schuhsohle hat sich schon am halben Fuß abgelöst. Die Schuhe streiken. Sie wollen nicht auf den Gipfel. Dabei sahen sie zuhause noch so gut aus. Obwohl sie schon etwas älter sind. Aber, wenn sich die Weichmacher im Kunststoff einmal auflösen, ist nichts mehr zu machen. Wir kehren um und hoffen, dass wir noch mit Sohlen zum Campingplatz kommen. Nach sechs Stunden Wanderung sind die Schuhe erledigt. Wir hätten noch weiter gekonnt. Morgen ziehen wir dann halt unsere Trail-Running-Schuhe an. Die Wanderschuhe landen im Container. Und sicher finden wir in Norwegen auch ein paar neue.
Panorama mit Rentieren
6. Juni 2026
Es gibt hier eine populäre Wanderung. Über den Besseggen-Grat wandern jährlich über 200.000 Menschen. Vom Grat aus gibt es eine spektakuläre Sicht auf zwei Seen mit unterschiedlichen Blautönen: auf den Gjendesee und den Bessvatnet. Wir wollen keine Menschenmengen beim Wandern und eine Gratwanderung ist bei stürmischem Wind nicht zu empfehlen. Wir planen deshalb eine andere Tour. Gjende und Bessvatnet sehen wir trotzdem. Nur nicht gemeinsam. Dafür aber eine atemberaubende Berglandschaft mit Fernsicht, und vielen weiteren Seen.
Unsere Panorama-Rundtour dauert 8 Stunden. Auch unsere Schuhe halten durch. Es ist windig. Mit Winterjacken, Mützen und Kapuzen geht es. Bei unseren vielen Skitouren im Winter hatten wir schon wärmeres Wetter. In der letzten Nacht waren es zwei Grad. Die Rentierherde auf dem Fjell stört das nicht. Sie genießen es, wenn sie nicht im Schnee nach Nahrung graben müssen. Und wir freuen uns, dass wir mal in Norwegen auch im Sommer Rentiere sehen. Übermütig rennen sie direkt vor uns über den Weg. Bleiben stehen und schauen uns an. Sie bleiben oben auf dem Fjell und wir steigen ab. Müde aber mit intakten Schuhen.






















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