16. Juli 2026
Im Dovrefjell überholen wir Sarah. Sie ist sehr flott unterwegs. 200 km Einfahren für das TCR. Wir fahren über Oppdal bis kurz vor Trondheim an den Trondheimfjord. Über eine schmale Straße, die irgendwann in Gravel übergeht. Strapazen für den Bus. Hier hat uns vor Jahren ein netter Norweger einmal im Winter in seinem Wagen bis zu einer Bushaltestelle mitgenommen. Wir kamen aus Trollheimen. Sabine hatte sich damals das Innenband am Knie zum Teil eingerissen und dazu noch eine heftige Erkältung. Sie ist damit noch fünf Tage weitergelaufen, aber in der Jødalshytta haben wir unsere Tour dann beendet.
Im Sommer sieht es hier anders aus. Die vielen Hütten am See sind von ihren norwegischen Besitzern belegt. Radfahrer sind auf der abgelegenen Straße unterwegs. Am Fjord stellen wir den Bus auf einen Campingplatz. Und gehen an der Küste selbst noch Rad fahren. Immer mit schöner Aussicht auf den Fjord. Es ist viel kühler hier als in den Tagen zuvor. Das hält Sarah aber nicht von einem kurzen Bad im Nordmeer ab. Einmal hier am Start des Rennens im Meer schwimmen und dann wieder ganz im Süden Europas in Griechenland.
Trondheim
17. Juli 2026
Wenn der Motor im Bus noch nicht erhitzt ist, müsste er anspringen. Wir tanken an der ersten möglichen Tankstelle. Es klappt. Später halten wir nicht mehr an. Auf Starthilfe haben wir wenig Lust.
In Trondheim haben wir eine Ferienwohnung gebucht. In City- und Startnähe. Die Campingplätze liegen weit außerhalb. Die Racevorbereitung ist so einfacher. Das Apartment ist nicht sehr groß. Es hat aber eine kleine Terrasse, einen Parkplatz für den Bus und vor allem eine Waschmaschine. Wir machen große Wäsche, gehen einkaufen und kurz in die City. Sarah trifft sich mit einem anderen TCR-Fahrer in einem Café.
Zum Abendessen wird es eng in unserem Apartment. Wir laden Mudit ein, den Bruder von Sarahs verstorbenen Partner Mohit. Er hat sich bei Sarah im Schwarzwald auf das Rennen vorbereitet und startet das TCR zu Ehren seines Bruders. Er bringt noch James, einen anderen Ultra-Racer aus Großbritannien, mit. Es gibt nur einen kleinen Kochtopf, doch irgendwie bringen wir ein kohlehydratreiches Essen für fünf Personen zustande. Für Sarah und Mudit kommen entbehrungsreiche Tage. James hat sein Mountainbike-Rennen in Norwegen bereits gefinisht. Der Abend verläuft schon im Racemodus. Viele Themen rund um das Rennen werden besprochen. Die Aufregung steigt.
Rennvorbereitung
18. Juli 2026
Der Count Down läuft. Morgen Abend um 20 Uhr ist Start. Sarah fährt sich noch ein und testet ihr Setup. Sabine geht joggen. Und Klaus fährt mit seinem Mountainbike noch eine Runde. Mit einer besonderen Einlage. Auf der Landstraße zurück nach Trondheim sieht er den Extremsportler Christoph Strasser vor ihm. Er fährt zusammen mit einem anderen TCR Fahrer, Robert Müller, noch eine Trainingseinheit. Klaus gibt Gas und fährt ran. 10 km lang hält er sich im Windschatten der beiden Spitzenfahrer. Er redet sie an, entschuldigt sich für sein Drankleben und gibt sich als Vater von Sarah zu erkennen. Beim Start am nächsten Tag klärt auch Sarah die Aktion mit Straps. Die beiden kennen sich. Klaus stellt sich vor. Und Straps macht ihm ein Kompliment: Da muss einer aber einen starken Motor an seinem E-Bike haben, um an uns dranzubleiben. Dann hat er gesehen, dass es ein ganz normales Mountainbike ist. Respekt.
Aber zuerst mal zum heutigen Tag. Mudit kommt vorbei. Er ist noch nicht fertig mit seiner Streckenplanung. Er braucht Sarah’s Laptop. Er benötigt noch ein paar Stunden. Sarah packt. Und optimiert. Irgendwann ist sie soweit. Wir machen noch einen Stadtbummel. Sie möchte noch was von der Stadt sehen, aus der sie startet. Aber nur kurz. Zeitiges und langes Schlafen ist angesagt. Am nächsten Tag muss Sarah ohne Schlaf auskommen. Mindestens 30 Stunden lang.
Der Tag X
19. Juli 2026
Die Aufregung steigt. Wir verhalten uns ganz ruhig am Morgen, doch ewig schlafen kann Sarah nicht. Zuviel Dinge sind noch zu tun und zu viele Gedanken schwirren ihr im Kopf. Wir helfen wo wir können. Klaus am Rad und Sabine in der Küche. Ein Kilo Gnocchi werden gekocht und gebraten. Zur ersten Verpflegung für unterwegs. Und Spaghetti mit Linsenbolognese für die Nudelparty vorm Start. Klaus und Sabine fahren mit zur Registrierung. Das Wetter passt. Es ist sonnig. Auch die Nacht soll klar bleiben. Beste Bedingungen in Norwegen.
Massenweise Kohlehydrate versucht Sarah noch zu sich zu nehmen. Zur Nudelparty laden wir Mudit ein. Er versucht cool zu bleiben, doch die Aufregung merken wir ihm an. Es ist sein erstes so langes Ultra-Rennen. Sein Bruder Mohit hat ihn zu dem Sport gebracht. Zu seinen Ehren fährt er dieses harte Rennen. Genau wie Sarah. Mit ihren Mohit-Shirts fahren sie zum Start. Letztes Foto-Shooting. Und ein emotionaler Moment für beide. Gemeinsam hier an der Startlinie zu stehen ist ganz besonders. Und dann fällt der Startschuss. Und sie sind weg. Zusammen mit ca. 400 anderen Fahrern machen sie sich auf den Weg zu 5000 km bis Kalamata in Griechenland. Und wir sind wieder allein. Und müssen mit unseren Ängsten und Emotionen klar kommen. Wir drücken die Daumen und fiebern mit bis Griechenland.


























Kommentar verfassen