13. Juli 2026
Der Bus hat die vielen Serpentinen und Höhenmeter bis nach Mysusæter geschafft. Wir können ihn im Basecamp von Sarahs Fjellexpedition mit ihren Schülern parken. Zwei Kolleginnen begrüßen uns. In drei Tagen sollen alle Wandergruppen des Internats hier eintreffen. Zusammen mit ihrer Lehrerin Sarah. Wir können ihr dann das Fahrrad übergeben. Aber bis dahin gehen wir auch in Rondane wandern. Und schauen uns den Nationalpark bei schönstem Sommerwetter an. Wir kennen ihn bisher nur schneebedeckt.
Wir schultern die Rucksäcke. Los geht’s. An einem rauschenden Fluss mit Schluchten und Wasserfällen entlang laufen wir in Richtung Rondvassbu. Über einen Bergrücken. Auf dem Normalweg auf der anderen Seite des Flusses sehen wir unzählige Radfahrer. Es gibt einen Fahrradverleih. Viele nutzen diesen, um schnell ins Herz von Rondane zu kommen. Wir laufen alleine auf unserem Wanderweg. Mit tollen Aussichten auf alle hohen Gipfel des Nationalparks. Und dann kurz vor Rondvassbu: Der schönste Rondaneblick überhaupt. Wir schauen hinab auf den riesigen tiefblauen Bergsee Rondvatnet zwischen den Gipfeln.
Am Rand sehen wir die DNT-Hütte Rondvassbu. Dort herrscht Hochbetrieb. Viele Wanderer und Radfahrer sitzen in der Sonne. Einige wagen ein Bad im Bergsee. Wir steigen hinab. Wir haben noch Zeit. Und an der Hütte belohnen wir uns mit Kanelboller und Kaffee. Es gibt hier auch Zeltplätze. Mit Toilette und Dusche in Reichweite. Wir verzichten darauf. Unseren idealen Zeltplatz haben wir schon gefunden. Wir steigen wieder auf. Zu dem schönsten Rondaneblick. Den ganzen Abend genießen wir die Landschaft. Einen schöneren Platz können wir uns nicht vorstellen. Und Wasser zum Trinken und Kochen gibt es in der benachbarten Schlucht. Wir sind verzaubert von Rondane.
Sommer in Rondane
14. Juli 2026
Zeit zum Frühstücken haben wir genug. Es fällt uns schwer unseren Traumzeltplatz zu verlassen. Wir füllen unsere Trinkflaschen am Bergbach auf. In Norwegen ist es unbedenklich, Wasser aus Bächen sogar aus Bergseen zu trinken. Wir benutzen trotzdem eine faltbare leichte Filterflasche von Katadyn. Ein kurzer Blick zurück auf den blauen Rondvatnet zwischen den hohen Gipfeln des Rondslottet und des Veslesmeden, dann gehen wir nach Westen. Über einen schmalen Pfad. Er ist nicht sehr ausgetreten. Wir sehen auch nur zwei Wanderer unterwegs. Norweger mit freiem Oberkörper und Bikini. Und ohne Kopfbedeckung. Sie sehen jetzt schon von der Sonne verbrannt aus. Es wird immer heißer. Das gelbe Moos und die Flechten, die die Hänge bedecken, sind staubtrocken. Die Stellen im Moor, die wir queren müssen, sind oft ausgetrocknet. Schafe suchen vergebens nach Schatten und liegen schwer atmend in der Sonne. Wir schützen uns mit Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 und lassen Capes und T-Shirts an. Wir müssen ja auch nicht wie die Norweger jeden seltenen Sonnenstrahl ausnutzen. Zuhause hatten wir schon Hitze genug.
Wir gehen in Richtung Peer Gynt Hytta. Über einen Pass. Wieder tolle Aussicht. Die steinigen grauen Gipfel von Rondane ragen aus den weiten gelben Moosflächen hervor. Weit entfernt sehen wir die Hütte. Bei unserer ersten Skitour gab es dort einen heißen Kakao. Und wir hatten damals erkannt, was es bedeutet in Norwegen mit Ski und Rucksack unterwegs zu sein. Unsere geplante Streckenlänge war viel zu lang. Niemals hätten wir sie zusammen mit der erst 12-jährigen Sarah geschafft. Wir konnten noch umplanen. Und haben daraus gelernt. Bei allen folgenden 19 Skitouren planten wir niemals mehr so lange Distanzen ein. Doch jetzt ist Sommer. An der Hütte ist Hochbetrieb. Sie ist in 1 bis 2 Stunden von einem Parkplatz aus erreichbar.
Wir warten eine Stunde auf unsere Waffeln. Hier gibt es sogar eine Netzverbindung. Wir schicken ein Foto an Sarah. Sie müsste mit ihren Schülern auch irgendwo hier sein. Zufällig erhalten wir eine Antwort. Die Schüler sind als Gruppe heute solo unterwegs und müssten uns gleich treffen. Auf einem Weg an einem See kommen sie uns entgegen und sind nicht wenig erstaunt. Wir begrüßen sie als Eltern ihrer Lehrerin Frau Bosslet. Wenig später treffen wir auch unsere Tochter und ihre beiden Kolleg°innen. Wir suchen gemeinsam einen Zeltplatz am See. Möglichst mit wenig Mücken. Wir finden eine Stelle hoch oben. Mit Blick über See und Berge. Fast oder genauso schön wie am Tag zuvor. Sogar ein Bad im Bergsee ist möglich. Erfrischend bei der Hitze. Und die Mücken sind erträglich. Schöner zelten geht nicht.
Frosty wartet im Basecamp
15. Juli 2026
Wir verabschieden uns von Sarah und laufen los in Richtung Basecamp. Heute ist auch der letzte Tourtag der Schüler°innen. Sie lassen sich Zeit und reflektieren unterwegs ihre Gruppenbildung auf Tour. Wir bauen noch ein paar Abstecher zu Wasserfällen ein. Zu früh wollen wir auch nicht zurück sein. An der letzten Schlucht mit steil abfallenden Wasserfällen treffen wir wieder zusammen. Hinter der Gruppe kommen wir nach Mysusæter. Singend und johlend laufen die Schüler°innen zum Parkplatz. Die Zivilisation hat sie wieder. Aber ein einmaliges Abenteuer ist zu Ende. Auch für uns. Doch unsere Norwegenreise geht ja noch weiter. Nächstes Ziel ist Trondheim. In zwei Tagen wollen wir dort sein.
Hier in Mysusæter erfüllen wir unseren Auftrag. Wir übergeben Sarah ihr Fahrrad. Sie freut sich mit ihrem Frosty auf das nächste Abenteuer. Und sie düst auch gleich los. Sarah fährt die 300 km bis Trondheim mit dem Rad. Sie verabschiedet sich von Schüler°innen und Kolleg°innen. Für diese geht es mit dem Bus zurück in den Schwarzwald. Sarah ist ohne Bezahlung für ihr Transcontinental Race freigestellt.
Wir fahren mit unserem Bulli bis Otta zum Einkaufen. Irgendwie mag unser Oldtimer den Parkplatz nicht. Wie vor einigen Tagen bleibt er dort wieder stehen. Wir räumen das Heck aus, öffnen die Motorabdeckung und saugen Benzin an. Es dauert bis es klappt. Endlich können wir weiterfahren. In Dombas warten wir auf dem Campingplatz auf Sarah. Sie hat mental umgestellt von Schulexkursion auf Racemodus.




























