20. Juli 2026
Wir räumen unsere Ferienwohnung und fahren in Richtung Westen. Raus aus der Fjordlandschaft. Bis zum offenen Nordmeer wollen wir. Eine Fähre in Halsa müssen wir nehmen. Nach fast 100 km. Dann ist der Bullimotor heiß. Und das bedeutet: er springt nicht mehr an, wenn der Motor aus ist. Erst Stunden später. Wir wollen ihn einfach laufen lassen. Der Plan scheitert. Zwei Fähren fallen aus. Wir müssen den Motor abschalten. Als unsere Fähre kommt, können wir nicht mit. Wir schieben den Bus zur Seite und geben ihm seinen gewünschten Startimpuls. Es klappt immer schneller. Ist aber nervig. Die nächste Fähre nimmt uns mit. Bei laufendem Motor. Die folgende Brücke ist kein Problem, die längste Hängebrücke Norwegens. Sicher fahren wir bis zum Campingplatz in der Nähe von Eide. Bulli hat Pause.
Wir nehmen die Räder. Auf einer großen Radrunde kommen wir zur Atlanterhavsvei, zur Atlantikstraße. Sie wird zu den schönsten Autostrecken der Welt gezählt. Natürlich auch eine schöne Radstrecke. 12 Brücken verbinden die kleinen Inseln und Schären. Es gibt viele Aussichtspunkte. Mit den Rädern können wir anhalten. Mit unserem VW-Bus nicht. Wir genießen die Landschaft am Nordmeer.
Sarah fährt an ihrem Tag 1 mehr als 24 Stunden lang. Über 550 km weit. Sie ist begeistert von der norwegischen Fjell-Landschaft. Sie kommt wieder an dem Ausgangspunkt ihrer Outdoor Expedition mit den Schülern vorbei. Per Video lässt sie uns und ihre Follower teilnehmen. Sie fährt stark. Zusammen mit zwei anderen Frauen fährt sie auf der Position 2 bis 4 des Frauenfeldes. Hinter der Favoritin Jana Kesenheimer. Sarahs Rennfieber ist geweckt.
222 Gipfel in Wolken
21. Juli 2026
Die Schönwetterphase ist vorbei. Wir müssen mit Regen rechnen. Hier an der Fjordküste keine Seltenheit. In der Stadt Bergen regnet es selten weniger als 20 Tage im Monat. Doch heute soll es in Molde bis nachmittags noch schön sein. Vom Hausberg Varden aus kann man bei schönem Wetter 222 Gipfel am Fjord sehen. Vom Campingplatz aus sehen wir das Panorama. Wir laufen los zum Varden. Bis wir die 407 Höhenmeter aufgestiegen sind, haben sich Wolken über die Gipfel geschoben. Trotzdem haben wir einen grandiosen Ausblick. Und der Weg durch den Wald bis zum Fjell ist wunderschön. Auf dem Rückweg pflücken wir uns Heidelbeeren. Nirgendwo waren sie bisher reif. Wir haben gelesen, dass Molde ein mildes Klima hat, wegen des Golfstroms. Die Stadt ist für ihre üppig blühenden Rosen bekannt. Wir freuen uns über die Beeren.
In der Zwischenzeit hat Sarah den anspruchsvollsten Teil Norwegens geschafft. Runter nach Flåm und dann rauf in die Hardangervidda über den Rallarvegen. 330 km bis hinter Kongsberg. Dort schläft sie im Waschraum auf einem Parkplatz.
Die Treppe in die Wolken
22. Juli 2026
Zuhause hat Sabine schon einen Norwegen-Tipp im Internet gefunden. Eine Treppe aus 3292 Steinstufen, die Midsundtrappene. Sie wurde von Sherpas aus Nepal gebaut, um Menschen einfacher auf einen Gipfel zu bringen. Der Berg liegt auf der Insel Otrøya. Wir fahren 30 km mit den Rädern bis zur Insel. Eine Fähre müssen wir nehmen. Dann steigen wir auf. Stufe für Stufe. Einige müssen mehr als eine Tonne wiegen. Die Sherpas haben eine wahnsinnige Arbeit geleistet. In einem Instagrambeitrag haben wir ein Interview gesehen. Die Sherpas lieben diese Arbeit in Norwegen. Und sind stolz, ihr Wissen im Treppenbau hier anwenden zu können.
Es ist anstrengend. Keine Stufe ist wie die andere. Und vor allem auf dem Grat fällt es rechts und links der Treppe steil ab. Wir steigen bis in die Wolken auf dem Gipfel. Weiter unten hatten wir noch Aussicht über die Fjordlandschaft. Der Gipfel hüllt sich in Wolken. Es fängt an zu regen. Der Abstieg fordert unsere Konzentration. Knie und Oberschenkel fangen an zu schmerzen. 3.292 Stufen absteigen ist schlimmer als aufsteigen. Im Regen fahren wir mit den Rädern bis zur Fähre. Vor Molde hört er auf. Dann beginnt eine Nacht mit einigen Schlaf-Unterbrechungen.
Denn Sarah fährt mittlerweile auf Position eins der Frauen. Dicht gefolgt von einer Französin, Camille Albisser. Die Favoritin Jana ist ausgestiegen aus der Frauenwertung. Sie begleitet von nun an ihren Partner. Sarah will ihre Position sichern. Dazu muss sie eine Fähre 24 Stunden früher als ursprünglich geplant erreichen. Noch 664 Kilometer bis Malmö. Am Stück. Durch die Nacht. Bis um 11 Uhr am nächsten Tag. Wir stellen uns alle paar Stunden den Wecker. Wir verfolgen ihr Rennen live. Eigentlich wollte sie sowas nicht machen. Sie würde aber auf jeden Fall anhalten, wenn die Augen zu schwer werden. Eine ruhige Nacht sieht anders aus. Und wir verraten es jetzt schon. Sie wird es schaffen. Auf Sarah wartet morgen ein ruhiger Tag.




















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