29. August 2022
Die 50 km bis Örebro vergehen wie im Flug, mit Rückenwind, guten Straßen und Radwegen bis in die Stadt hinein sind wir schnell in unserer ersten schwedischen Stadt, die wir nicht nur so einfach passieren wollen. Trotzdem wollen wir unsere Stadtbesichtigung auf ein paar Punkte beschränken. Denn es soll danach noch 50 km weiter gehen. Wir fahren direkt am Wasserturm vorbei, einem Architektur-Highlight der Stadt. Dann können wir auch von oben die Aussicht genießen. Wir fahren abwechselnd mit dem Aufzug nach oben. Die Räder lassen wir nie unbeaufsichtigt. Die Fernsicht ist grandios. Unser heutiges Ziel, die Kilsberge sind gut zu sehen. Dann gehtˋs weiter. Das Schloss ist das Wahrzeichen der Stadt, wir machen ein paar Fotos. Überall in der Stadt gibt es Kunstwerke, Open Art Projekte. Mal bunt, mal kitschig, mal schrill, oft kritisch wie die schmelzenden Eisberge oder die Müllberge aus dem Meer vor dem abgestorbenen Wald. Es gibt Kunstführungen, die sicher Tage dauern müssen, wenn man alle Exponate sehen will. Viel Kultur für uns, wo wir doch seit 4 Wochen nur Wald gesehen haben.
Auf der Rundfahrt durch die Stadt suchen wir uns ein Café und genießen das dritte Stück Kuchen seit dem Nordkap. Wir werden auch wieder von Passanten auf unsere Tour angesprochen. Auf dem Land hat das keiner getan, da ist man halt mehr für sich. In Nordschweden leben 10 Menschen auf einem Quadratkilometer. In Gesamtschweden 21 und in Örebro 2200. Nach einer kurzen Besichtigung des Freilichtmuseums Waldköping verlassen wir Örebro und staunen über die Unterschiede der Städter gegenüber der Landbevölkerung. Man fährt Rad, kein Auto. Es gibt eine vorbildliche Radinfrastruktur und nur wenig Autoverkehr. Ein Radfahrer hat immer Vorfahrt. Diese Errungenschaften, erklärt uns ein netter Passant, hätte Örebro der grünen Partei zu verdanken, die Rechten wollten nur die Autofahrer unterstützen. Es gibt ein vielfältiges Sportangebot, wir fahren vorbei an einem Nobel-Reiterhof, unzähligen Sportplätzen für verschiedene Sportarten, dem größten Schwimmbad Nordeuropas…für jeden etwas. Doch was tun wir, wir radeln in die südlichste Wildnis Schwedens, die Kilsbergen/ Tiveden, suchen und einen Badplats an einem See. Wir verbringen die Nacht zu zweit auf unseren 4 Quadratmeter Zeltboden.
30. August 2022 – Adieu Wildnis
Die Kilsberge fordern uns nochmal. Bergige Gravelstrecken und einsame Wälder, wie in den letzten 23 Tagen, die wir durch Schweden gefahren sind. Doch dann ist plötzlich Schluss mit Wildnis. Abgeerntete gelbe und braune Felder, Dörfer, Industrie, eingezäunte Waldgebiete…Wir müssen uns verabschieden.
Etwas wehmütig, haben wir diese schwedische Wildnis mit ihren Wäldern, Mooren und Seen, mit sich im Wald versteckenden Elchen und Bären, mit Rentieren auf der Straße, giftigen Schlangen, Kranichen und Wildgänsen lieb gewonnen. Es war schon etwas Besonderes, einfach an einem See sein Zelt aufzubauen und zum Frühstück Beeren zu pflücken. Auch im Süden Schwedens gibt es viel Natur, aber eben keine Wildnis mehr. Doch wir freuen uns auf das, was kommt.
Auf den größten See Schwedens und zweitgrößten Europas, den Vänern See, der auch das große Meer genannt wird. Auf Göteborg und die Ostseeküste und danach auf die sechs verbleibenden Länder, die noch auf unserer Strecke liegen. An die schwedische Wildnis werden wir uns dann sicher immer wieder gerne erinnern.
31. August 2022 – Auf dem Kinnekulle
Heute wollen wir wandern. Im Kinnekulle-Naturreservat. Doch zuerst müssen wir dort hinkommen. Von Mariestad fahren wir nur 40 km zwischen riesigen Stoppelfeldern, durch Alleen und kleine Siedlungen, die aussehen als hätte jemand sich ein privates Freilichtmuseum angelegt. Ungefähr 10 Rehe und Kitzen stehen plötzlich mitten auf der Straße. Auch im Garten neben dem kleinen Supermarkt, wo wir noch schnell unsere Zutaten für Abendessen und Frühstück kaufen, laufen Rehe herum. Seltsam, ringsum ist Wald, vielleicht schmeckt aber der kurze Rasen, vom Roboter gemäht, besonders gut.
Wir bauen unser Zelt in vorderster Reihe direkt am Vänern See auf. Der Campingplatzbetreiber ist erstaunt, dass wir nach Wanderwegen auf den Kinnekulle fragen, wo wir doch gerade erst Rad gefahren sind. Auf einer Wanderkarte erklärt er uns den kürzesten Weg zum Aussichtsturm. Er weist uns aber darauf hin, dass dieser nur noch am Wochenende geöffnet ist. Schade. Wir wandern trotzdem los.
Der Kinnekulle ist ein Tafelberg mit üppiger Vegetation und Steinbrüchen, die an einen Canyon erinnern. Vom Turm aus hat man eine grandiose Aussicht über den Vänern See. Er reicht bis zum Horizont und dort, wo es keine Halbinseln gibt, ist sein Ende nicht zu sehen. Er ist 140km lang und hat eine Fläche von 5650 Quadratkilometern, mehr als doppelt so viel wie unser Heimatland, das Saarland.
Oben angekommen, will Klaus schon seine kleine Drohne starten, als der Betreiber des kleinen Cafés im Turm mit seinem Wagen vorfährt. Er wartet auf 10 Amerikaner, die einen Betriebsausflug auf den Turm machen. In der Zwischenzeit dürfen wir hoch. Was für ein Glück. Statt durch die Kamera der Drohne können wir selbst die tolle Aussicht genießen. Pünktlich zum Sonnenuntergang sitzen wir wieder an unserem Zelt und essen zu Abend vor einer farbenprächtigen Kulisse. Ein perfekter Tag.



























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